Lebe! Lobe! Liebe!

Lebe! Lobe! Liebe!

Kol 2, 12-15                                         Quasimodogeniti – Großgrabe/Oßling, am 08.04.2018

„Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“

Liebe Gemeinde! „Der Herr ist mein Hirte“– gehört mit zu den schwersten Worten der Bibel. Es klingt so leicht und wiegt so schwer. Manchmal ist ein leicht zu verstehendes Wort schwer. Manchmal ist aber auch Schweres leicht, wie heute unser Predigtwort. Es kommt so schwergewichtig daher. Manche unter euch hatten beim Zuhören angestrengte, konzentrierte Falten auf der Stirn. Da war von: begraben durch die Taufe, Auferstehung durch Glauben, Kraft Gottes, tot sein in Sünden, Unbeschnittenheit des Fleisches die Rede, und von Macht, Mächten und Gewalten. Beim Lesen, mehr noch beim Hören schwirrt einem der Kopf und ein Gedanke setzt sich fest: oh Mann, das ist ein schwerer Text. Ist er nicht. Stellt euch einfach vor, dieser Text ist ein Haus. Ja, ein Haus ist schwer, x-Tonnen. Es ist teuer und groß, ein riesiger Steinblock, 12x14m. So ungefähr steht unser Bibelwort vor uns. Das Entscheidende nun ist: Wiestehen wir davor? Wir sollen diesen Koloss weder heben und wegtragen noch bezahlen. Meine Predigt ist so etwas wie eine Schlüsselübergabe. Ich habe den Auftrag der Übergabe mit dem Hinweis: Das Haus gehört dir. Dieses Bild ist nicht einfach ein Vergleich. Sondern mit den Worten der Heiligen Schrift ist es tatsächlich so – sie gehören dir und mir. Es sind Worte Gottes an uns. Zusagen, die gelten, Bürgschaften, Urkunden mit Rechtskraft. Unser Abschnitt hier ist so etwas wie die Eintragung in das Grundbuch des Lebens. Das Bild vom Haus ist deshalb naheliegend, weil hier vom Wohn- und Bleiberecht eines jeden Christen gesprochen wird, von Erbe und Heimat. Manche unter uns wissen es, aber jeder hat zumindest eine Ahnung davon, wie mühsam, ja oft fast unmöglich es für Otto-Normalverbraucher ist, sich den Traum vom eignen Haus zu erfüllen. Die Bürokratie ist wie der Himalaja, das nötige Geld der Mount Everest, nur für einige zu schaffen. In so einer komplizierten Situation stehen wir, wie gesagt, heute nicht. Denn nicht vom Anfang, sondern vom Abschluss des Hausbaus ist hier die Rede: Heimat im Glauben, Wohnrecht bei Gott – alles schlüsselfertig. Schlüsselübergabe ist leicht, ja sogar schön, festlich, feierlich. Deshalb ist dieser schwere Text ganz leicht. Er sagt zu uns praktisch nur drei Worte: Lebe! Lobe! Liebe!– Wir bleiben nochmal beim Bild vom Haus. Vom Grundbucheintrag bis zur Finanzierung ist alles erledigt. Zieh ein in das Haus deines Glaubens. Richte dich ein, wohne: Lebe! Du sollst leben – ist Gottes ausdrücklicher Wille. Besiegelt ist er durch die Taufe. In seiner Taufe hat jeder Anteil am Heilswerk Christi bekommen. Das Heilswerk –  das ist der Tod Jesu als Preis für die Sünden und die Aufer-stehung Jesu der Türöffner zum ewigen Leben. Mein Anteil am Tod Jesu – ist die Vergebung meiner Sünden, denn Jesus starb auch für mich. Mein persönlicher Anteil an der Auferstehung Jesu ist mein ewiges Leben. Ist Jesus ins ewige Leben gekommen, zieht er mich auch mit dorthin. – So, wie der Grundbucheintrag nicht das Haus ist, so ist auch die Taufe nicht das ewige Leben – sondern die Rechtsgrundlage vor Gott für mein Bleiberecht, Heimatrecht, Hausrecht in Gottes neuer Welt. Paulus drückt das so aus: „Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“ Lebe! Lebe aus Glauben!Und: Lobe! Lebe und lobe!Wir bleiben beim Hausbild: Wir nehmen den Schlüssel, schließen hinter uns ab, ziehen alle Vorhänge zu, essen und trinken nichts, sondern liegen auf der Couch und wissen nicht aus noch ein vor Sorgen: Wie sollen wir bloß mit dieser großen Verantwortung fertig werden, ein Haus, der Garten, die Obstbäume, Abwassergebühr, ach du liebe Zeit … Leben, ihr Lieben, hat mit loben zu tun. Unser Leben soll ein Fest sein. Ein Loblied auf Jesus, ein Danklied an Gottes Liebe. Loben bringt Leben ins Leben. Unser Glaubenshaus will mit dem Geist des Lobes und der Dankbarkeit erfüllt sein. Vorhänge auf, Frühlingssonne rein, Nachbarn einladen, Schatzsuche mit den Kindern, Grill und Gitarre am Abend. – Ein Fest, vor allem wahre Freude auf dem Fest, Freude des Lebens, hat immer mit geklärten Beziehungen zu tun. Der Glaube beginnt sich dort zu freuen und singt ein Loblied, wo sich Vergebung vollzieht. Gott, mein himmlischer Vater, hat mir in Jesus vollkommen vergeben: Jetzt öffne deine Fenster, du träge Seele, und juble in den anbrechenden Tag. Ja: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“ An diesen prophetischen Text aus Psalm 103 mag Paulus gedacht haben, als er seine Kolosser zum Gotteslob ermuntern will und schreibt:„Er hat euch mit Jesus lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches und hat uns vergeben alle Sünden.“ „Alle“ bedeutet im Deutschen: „alle“: alle Sünden sind uns vergeben. Also: Lebe und lobe! – Nirgendwo im Neuen Testament wird Glaube als Gottesbeziehung beschrieben. Sondernimmerals Gottes- undMenschenbeziehung. Das Kreuz, unser Zeichen, drückt das schlicht, aber unmissver-ständlich aus. Der senkrechte Balken steht für die Verbindung, das Miteinander von Mensch und Gott. Der waagerechte deutet auf das Miteinander zwischen uns. Nimmt man einen Balken weg, wird aus dem Kreuz ein Strich. Dorthin soll der Glaube nicht kommen. So weist unser Predigtwort von oben nach unten und sagt: Lebe! Es weist von unten nach oben und sagt: Lobe!Jetzt weist er nach rechts und links und sagt: Liebe! Genauso, wie uns Gottes Liebe zugänglich wird durch Vergebung, so auch die Nächstenliebe. Wir sollen keine Gigan-ten von Freundschaft und Sympathie sein, sondern nur schlicht und einfach dem Mitmen-schen geben, was ihm zusteht: Vergebung. Unversöhnlichkeit steht uns nicht zu, ist nicht unser Recht. Wir sind keine Richter. Denn Unversöhnlichkeit ist ein Urteil. Auf dem Stuhl des Urteils sitzt allein aber Gott – es sei denn, einer will sein wie Gott. Unversöhnlichkeit ist Amtsanmaßung. Wir Christen haben ein Amt: das Amt der Versöhnung. Das beinhaltet das Recht unddie Pflicht auf Vergebung. Dem Mitmenschen seine Fehler und Sünden vergeben – diese Zumutung nennt die Bibel Nächstenliebe. Der Grund, die Motivation solchen Handelns in Wort und Tat liegt nicht in uns. Weder braucht es dazu eine besondere mensch-liche Größe noch unser Gutsein, sondern unsere Einwilligung. Weil Jesus unseren Schuld-brief getilgt und ans Kreuz geheftet und alle Forderungen erfüllt hat – deshalb sollen wir die Schuldbriefe anderer in unseren Händen/Herzen auch an Jesu Kreuz heften. Oder wollen wir unterstehen, mit Gott über die Schuld anderer zu verhandeln, wie schwer und schlimm usw. sie sei? Dann wird Gott mit uns auch über unsere Schuld verhandeln. Das dürfte für uns nicht gut ausgehen. Paulus begründet die Pflicht zur Vergebung und Nächstenliebe so: „Jesus hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.“– Sollte euch heute jemand fragen: Was hat denn der Pfarrer in der Predigt gesagt, kannst du ihm getrost antworten: Lebe! Lobe! Liebe!Vielleicht schüttelt dein Gegenüber den Kopf und meint: Der Pfarrer macht´s sich aber leicht. – Nein, nicht ich, sondern Jesus hat es uns leicht gemacht. Er ist der wahre Grund, warum wir leben, lieben und loben. Amen.

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