Anvertraut

Anvertraut

Einleitung

Als ich noch in WGs gewohnt habe, da ist es öfter mal vorgekommen, dass ich in meinen Sachen Sachen gefunden habe, die nicht mir gehört haben. Das waren zum Teil ganz harmlose Sachen: Stifte, Kosmetikartikel, Trinkflasche, sowas. Aber es gab auch so den einen oder anderen Moment, da mache ich meinen Kleiderschrank auf und finde irgendeine Unterhose, von der ich mir denke: Das ist nicht meine.

Und wir haben das dann immer so geregelt, wir hatten dann in unserer WG einen Fundkorb, eine Fundstelle, und dort ist alles hingewandert. Und dann hat sich sozusagen immer, wenn jemand mal vorbeigegangen ist, dieser Korb immer wieder geleert. Ich vermute, die Unterhosen liegen dort heute noch, aber zumindest die anderen Sachen haben sich dann immer irgendwie wieder an den richtigen Besitzer gefunden.

Und wenn ich was finde, was nicht mir gehört, dann kann das verschiedene Reaktionen auslösen. Es kann mich zum Nachdenken bringen, wem das wohl gehört. Es kann mich in Zweifel bringen, ob es vielleicht doch mir gehört. Es kann mich freudig stimmen, weil: Sowas wollte ich schon immer mal haben. Es kann mich aber auch wütend machen, weil mein Bruder mal wieder seinen Müll in meinem Zimmer vergessen hat.

Und jetzt eine Frage an dich: Welche Reaktion würde es in dir auslösen, wenn ich dir sage, dass alles, was du in deinem Leben glaubst zu besitzen, nicht dir gehört?

Alles gehört Gott

So, die ersten alteingesessenen Christen spüren jetzt schon so das Halleluja in sich aufsteigen, weil, ja, Gott allein gehört alles, die ganze Welt und so weiter und so fort. Vielleicht ist dieser Gedanke also, dass das ganze Leben ein Geschenk ist, für dich gar nicht neu. Aber gib dir heute mal einen Ruck und lass diesen Gedanken wirklich noch mal neu zu.

Als du heute Morgen deine Kids aus dem Bett geholt hast oder sie dich, hast du da gedacht: Krass, Gott, dass du deine Kinder bei mir wohnen lässt? Oder als du heute mit dem Auto zu diesem Gottesdienst gekommen bist, hast du da gedacht: Jesus, die Tankrechnung diesen Monat könntest du übernehmen, weil es dein Auto ist?

Ich glaube, in unserem täglichen Doing, unserem täglichen Alltag, da haben wir nicht die ganze Zeit Zeit, darüber nachzudenken, dass alles, was wir haben, eigentlich nicht unseres ist. Und das ist auch okay. Es ist okay, nicht bei jeder Tasse Kaffee, die wir trinken, die Reaktion zu haben: Oh, das ist ja gar nicht meine. Ich glaube, das würde unser Leben ganz schön anstrengend machen, und das ist okay.

Aber heute Nachmittag, jetzt hier im Lichtblick, lasst uns heute diesen Gedanken einmal Raum geben, dass nichts in unserem Leben wirklich uns gehört, dass alles, was wir haben, wir nur haben, weil Gott es uns anvertraut und wir das verwalten dürfen.

Und lasst uns, wenn wir diesen Gedanken zulassen, auch die Frage in den Raum stellen: Was bedeutet das dann für unser Leben? Was bedeutet es für die Dinge, die wir verwalten?

Heute geht es ums Thema Verwalterschaft und darum, was Gott uns anvertraut hat und wie wir damit umgehen. Und ich weiß, dass dieses Thema unfassbar groß ist. Und ich weiß, dass dieses Thema auch ganz viel Druck, ganz viel Leid, ganz viel Schmerz über einige Punkte in unserem Leben auslösen kann. Und deswegen würde ich gerne zu Beginn mit uns beten und Gott bitten, dass er die Dinge heute bei uns ankommen lässt, die gut sind und die gute Früchte hervorbringen.

Jesus, ich lade dich jetzt ein hier in unsere Kirche. Ich lade dich ein in unsere Herzen und ich bete, dass du die Samen, das, was gut ist, das, was für uns heute gedacht ist, dass du das auf guten und fruchtbaren Boden fallen lässt. Und alles andere, was wir heute hören und wo wir das Gefühl haben, das löst Druck aus, das ist nicht gut, das macht irgendwie Stress, da gibt’s einen Schmerzpunkt, da gibt’s auch einen Schmerzpunkt mit dir, Jesus – da bete ich, dass du das nur zum Guten verwendest. Herr, sei jetzt bei jedem und bei jeder hier im Raum und lass uns deinen Geist spüren. Lass uns deine Worte hören. Amen.

Kein bescheidener Gott

Wir haben keinen bescheidenen Gott. Und damit falle ich direkt mit der Tür ins Haus: Wir haben keinen bescheidenen Gott. Und das meine ich nicht als Aufruf zum Wohlstandsevangelium, sondern das ist eine echte Aussage über den Charakter Gottes.

Und woher weiß ich das? Ich weiß das von Jakob und von Jabez. Jakob war ein richtig hinterlistiger Kerl, der seinen Bruder um alles beschissen hat, was dem richtig wichtig war. Und nachdem er sich dann jahrelang aus dem Staub gemacht hatte, kam er jetzt in die Situation, dass er seinem Bruder wieder begegnen musste und dachte: Jetzt gehe ich drauf.

Und in der Nacht vor der Begegnung, da trifft er Gott und Folgendes passiert. Ich lese aus Genesis 32:

Nur er allein, also Jakob, blieb zurück. Auf einmal war da ein Mann, der mit ihm rang bis zum Morgengrauen. Der Mann merkte, dass er Jakob nicht bezwingen konnte. Da gab er ihm einen Schlag auf die Hüfte, und Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, während die beiden miteinander rangen. Schließlich sagte der Mann: „Lass mich los, denn es beginnt bereits zu dämmern.“ Aber Jakob entgegnete: „Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.“ „Wie heißt du?“, fragte der Mann. „Jakob“, gab er zur Antwort. „Von nun an sollst du nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, also Gottes Kämpfer“, sagte der Mann. „Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.“ Jakob bat ihn noch einmal: „Sag mir doch auch, wie du heißt.“ Aber der Mann entgegnete: „Warum fragst du mich nach meinem Namen?“ Dann segnete er Jakob.

Jakob hatte sich den Segen Gottes nach unseren menschlichen Maßstäben nicht verdient, aber er rang so lange mit Gott, bis der ihn schlussendlich segnete. Warum?

Weil wir keinen bescheidenen Gott haben, weil Gott uns einlädt, so mutig zu sein, dass wir groß bitten, dass wir mutig bitten, dass wir um unsere Anliegen, um unsere Segenswünsche von ihm ringen, auch wenn du denkst, du hättest es gar nicht verdient.

Vielleicht hast du im Unterricht nicht richtig zugehört und trotzdem betest du, dass du die Prüfung bestehst. Vielleicht hast du in der Bewerbung angegeben, du könntest fließend Japanisch sprechen, und trotzdem betest du, dass du den Job kriegst. Und vielleicht hast du dem Arzt ganz groß erzählt, wie viel Sport du machst, und trotzdem betest du, dass du gesund wirst.

Wir haben diesen großen, diesen allumfassenden, diesen absolut nicht bescheidenen Segen vielleicht nicht immer verdient, aber Gott ringt mit uns darum, und er lässt uns gewinnen und gewähren.

Ich habe noch von Jabez erzählt, einem zweiten Mann, der uns in der Bibel als angesehen vorgestellt wird. In 1. Chronik 4 lesen wir in Vers 9 und 10 Folgendes:

Jabez war angesehener als seine Brüder. Bei der Geburt hatte seine Mutter gesagt: „Ich habe ihn unter Schmerzen geboren.“ Deshalb hatte sie ihm den Namen Jabez, nämlich Schmerz, gegeben. Doch Jabez hatte zum Gott Israels gerufen und ihn gebeten: „Bitte segne mich und erweitere mein Gebiet. Steh mir bei und halte Unglück und Schmerz von mir fern.“ Und dieses Gebet hatte Gott erhört.

Gott schenkt noch einem Mann das, worum er bittet: Segen, Nähe, Schutz vor Unglück und Schmerz, Eroberung, Macht, Siege, was auch immer es war, worum Jabez bat – Gott schenkte es. Denn unser Gott ist kein bescheidener Gott. Er schenkt im Überfluss. Er schenkt maßlos. Er schenkt großzügig. Er schenkt gern. Er schenkt.

Ich glaube, dass jeder und jede, die heute hier ist, unter der Voraussetzung hier sitzt, von Gott gesegnet zu sein. Ich glaube, dass Gott jeden und jede Einzelne hier unendlich und überschwänglich liebt und segnet.

Segen sieht nicht immer so aus, wie wir denken

Nur eben vielleicht nicht immer so, wie wir uns den Segen vorstellen. Jakob hat bestimmt nicht damit gerechnet, eine ausgerenkte Hüfte zu haben und den Rest seines Lebens am Stock zu gehen. Jabez hat bestimmt nicht damit gerechnet, den Rest seines Lebens unter den Geburtswehen seiner Mutter gerufen zu werden.

Und du hast vielleicht nicht den Job bekommen, um den du gebetet hast, die Prüfung bestanden, die du gern wolltest, oder die Heilung erfahren, die Beziehung, nach der du dich sehnst, oder den Kontostand, den du bräuchtest. Vielleicht fühlt sich dein Leben gerade nicht nach diesem überschwänglichen Segen an, aber ich glaube, wir haben einen Gott, der uns liebt und der uns segnet und der nicht bescheiden ist.

Und ich möchte gerne an der Stelle Tabea noch mal nach vorn bitten, denn Tabea möchte uns aus einer Zeit in ihrem Leben berichten, die sicherlich alles andere als nach großem Segen aussah, und trotzdem war Gott da. Danke für dein Mutterherz.

Bericht von Tabea

Einige von euch kennen mich schon und kennen noch meine Geschichte. Für alle anderen fange ich einfach wirklich noch mal ganz kurz bei dem Ursprung an.

Ich bin verwitwet. Mein Mann Daniel ist vor 13 Jahren in Afghanistan als Soldat gefallen. Das war für uns in einer Situation, wo wir überhaupt nicht darauf vorbereitet waren. Wir hatten gerade ein Haus gekauft. Seit drei Monaten sind wir eingezogen. Wir hatten dieses Haus komplett finanziert, also wir hatten null Eigenanteil, sondern wirklich die gesamte Kreditsumme da rein. Und ich glaube, zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine Monatsrate bezahlt. Und jetzt standen wir sozusagen da zu dritt mit meinen Mädels, ein Jahr und drei Jahre alt. Und ich wusste anfangs nicht: Okay, können wir unser Zuhause behalten, können wir dort bleiben, wie geht’s weiter?

Wir waren ziemlich naiv, muss ich vorher sagen. Also ich – ja, wir haben wirklich nicht vorgesorgt, ganz ehrlich. Wir hatten kein Testament geschrieben. Eine Lebensversicherung von Daniel, die war, weiß ich nicht, 20 Jahre alt, also irgendwann mit 15 abgeschlossen, auf seinen Vater laufen, viel zu gering. Ja, es gab von der Bundeswehr eine gewisse Absicherung. Ganz ehrlich, die wäre aber zum Beispiel gar nicht eingetreten, wenn er auf der Autobahn irgendwo bei einem Unfall ums Leben gekommen wäre. So war es jetzt okay, ein Auslandseinsatz, da ist sie eingetreten.

Trotz allem waren wir an dem Punkt sozusagen – ich wusste nicht, wie es weitergeht. Und dann haben seine Kameraden, zuerst in Afghanistan, dann in Kalkar und dann durch die gesamte Bundeswehr, eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Am Ende dieser Spendenaktion ist wirklich die gesamte Kreditsumme zusammengekommen, und ich konnte ungefähr ein halbes Jahr später den kompletten Kredit auslösen und war schuldenfrei, und wir haben unser Zuhause behalten können.

Und so wie ich es dann so verstehe: Das war für mich, ist für mich definitiv ein riesengroßes Wunder gewesen. Und ja, Gott hat nicht verhindert, dass uns das passiert ist, dieses Unglück. Und es folgten noch ziemlich schwere Wochen, Monate, Jahre. Aber ich habe in alldem immer wieder gespürt, in diesen großen, aber auch in ganz vielen kleinen Sachen, wie er uns führt, wie er uns leitet, wie er uns durchträgt. Und so wie Magda es gesagt hat: Dieses Gefühl, okay, er wusste, dass wir fallen, und das hat er grundsätzlich nicht verhindert, aber er hat die Kissen schon mal ausgelegt, damit wir zumindest weich fallen.

Umgang mit Segen

Ich weiß nicht, wie es dir geht, nachdem du das gehört hast, aber als ich das von Tabea das erste Mal gehört habe, habe ich danach gedacht: Eigentlich könnten wir hier jetzt den Gottesdienst einfach beenden. Wir könnten wieder in den Lobpreis reingehen und einfach Danke sagen.

Machen wir später.

Ich möchte trotzdem noch ein paar Dinge sagen, weil ich auch, nachdem Tabea das erzählt hat, gedacht habe: Was wäre eigentlich gewesen, wenn Tabea die ganze Kreditsumme genommen hätte und Urlaub auf den Malediven gemacht hätte?

Lasst es mich anders ausdrücken: Gott segnet, aber wir müssen mit diesem Segen auch umgehen können. Wir müssen ihn verwalten können.

Es gibt eine Geschichte in der Bibel, in der ein Hausherr seinen drei Arbeitern Talente schenkt. Dem einen fünf, dem anderen drei, dem nächsten eins. Und für uns klingt es erst einmal ungerecht. Es klingt wie die harte Realität: Der Nachbar fährt Porsche, ich VW Polo.

Aber in diesem Gleichnis geht es nicht um die Menge. Es geht nicht um die Summe der Talente, sondern es geht darum, was du mit deinem VW Polo machst.

Und in christlichen Kreisen hören wir manchmal Sätze wie: „Es geht nur ums Herz. Gott sieht das Herz an.“ Und das stimmt ja auch, aber das ist eben nicht in jedem Kontext die ultimative Wahrheit. Gott sagt nämlich auch in der Bibel, zum Beispiel in Jeremia 17: „Nichts ist so abgründig wie das menschliche Herz, voll Unheil ist es. Wer kann es durchschauen? Ich, der Herr, sehe bis auf seinen Grund. Ich kenne die geheimsten Wünsche der Menschen, und ich gebe jedem, was er aufgrund seiner Taten verdient hat.“

Wieder und noch mal: Gott gibt jedem und jeder. Und wenn wir die Bibel mal ganz am Anfang aufschlagen, dann lesen wir auch, was wir von Gott bekommen. Und das ist so viel mehr, als wir überhaupt nur begreifen können.

Genesis: Gott segnet die Menschen und sagt zu ihnen: „Seid fruchtbar und vermehrt euch. Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz. Herrscht über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel und alle Kriechtiere.“

Wir sollen herrschen, uns vermehren, die Erde bevölkern, ja sogar sie in Besitz nehmen, verwalten, was er geschaffen hat.

Wir erleben Gott einmal ganz am Anfang in der Bibel so richtig hart schuften, so sehr, dass er am siebten Tag ruhen muss. Gott muss ruhen, weil er aus dem Nichts eine Welt erschafft. Millionen, Milliarden Spezies, einen Himmel, eine Erde, Wasser, Meer. All das schafft Gott. Und am Ende, als er fertig ist, sagt er: „Hier, Mensch, nimm hin und verwalte.“

Können wir mal einen Moment darüber nachdenken, wie krass das ist, wie groß das ist, was das für ein unfassbarer Vertrauensvorschuss von Gott ist?

Kein Randthema

Das Thema Verwalterschaft, Besitz, Finanzen, Eigentum – das ist in der Bibel und bei Gott kein unterrepräsentiertes Thema. Es ist ein Herzensanliegen Gottes. Es gibt verschiedene Statistiken dazu, aber es wird gesagt, dass sich in der Bibel zwischen 2500 und 4500 Bibelstellen zu diesen Themen finden. Von Jesu 38 Gleichnissen handeln 16 davon. Das ist fast die Hälfte. Zum Thema Geben gibt es in der Bibel für jeden einzelnen Tag im Jahr einen Bibelvers. Rund 365 Bibelverse nur zum Thema Geben.

Verwalterschaft, Finanzen, Besitz ist kein Randthema. Es ist ein Herzensthema Gottes. Und genau deshalb müssen wir darüber sprechen. Wir müssen darüber sprechen, wie Verwalterschaft geht, wie gute Verwalterschaft von Gott aussieht, wie er es sich wünscht. Und wir müssen darüber sprechen, damit wir aus Fehlern lernen, damit wir dieser Verantwortung gerecht werden können und damit wir aus diesem Segen, den er schenkt, noch viel mehr Segen machen können.

Wieder Genesis: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Ich will dich segnen, hatten wir ja eben, aber er will auch, dass wir zum Segen werden, und dafür müssen wir uns damit beschäftigen, wie das geht.

Und ich kann heute Nachmittag nur einen Aufschlag wagen. Ich habe eben schon gesagt: zwischen 2500 und 4500 Bibelstellen. Ich habe jetzt schon relativ viele gezeigt. Keine Sorge, ich zeige nicht alle. Aber ich möchte heute noch einen kurzen Gedanken mit euch teilen zu dem Thema gute Verwalterschaft.

Geistlicher Kampf

Wir glauben an einen Gott, der gut ist und der segnet. Und wir glauben als Christen auch, dass dieser Gott einen Widersacher hat. Der Feind, der Teufel, das Böse, der Mammon – es gibt viele Namen. Und wie du es auch nennen magst, es hat ein paar richtig gute Strategien, um in unserem Leben Gott und Segen fernzuhalten. Das sind Lügen, Verstrickungen, Intransparenz und vieles mehr.

Und der Teufel will eines nicht: dass wir über gute Verwalterschaft sprechen. Denn das könnte ja zur Konsequenz haben, dass wir gut darin werden. Es könnte ja zur Konsequenz haben, dass wir aus den Fehlern unserer Mitmenschen schon lernen und sie gar nicht erst machen. Es könnte ja zur Konsequenz haben, dass wir den Segen nicht nur empfangen, sondern dann auch noch vermehren und selbst zum Segen werden.

Die Bibel sagt: Wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen. Wenn es in der Bibel heißt, wir können nicht Gott und dem Mammon dienen, dann heißt es nicht einfach nur, du sollst nicht dem Geld hinterherrennen. Das heißt: Es gibt eine gute und eine schlechte Macht. Es gibt einen guten Gott und einen bösen Gegner. Und wir können diesen Gegner nur besiegen, wenn wir anwenden, was wir von Jesus dazu gelernt haben.

Noch eine Bibelgeschichte dazu: Jesus ist seit 40 Tagen in der Wüste unterwegs. Er isst nicht, er trinkt nicht, er ist sicherlich nicht mehr gut bei Kräften. In diesem Moment kommt der Teufel und versucht ihn und schlägt ihm immer wieder neue Ideen vor, wie er Jesus aus dieser misslichen Lage befreien könnte. Und wir lesen in Lukas 4:

Darauf führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm auf einen Blick alle Reiche der Welt und sagte zu Jesus: „Ich will dir Macht über alle diese Reiche in ihrer ganzen Größe und Pracht geben. Sie ist mir übertragen worden, und ich kann sie weitergeben an wen ich will.“

Spoiler: Jesus sagt nein. Und wieso sagt er nein? Weil der Teufel sagt: Mir ist die Macht übertragen worden. Das heißt, er hat sie gar nicht. Er verwaltet lediglich einen Teil davon, aber er ist nicht der Eigentümer. Allein Gott hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Und Jesus wusste das. Er wusste, wer der Eigentümer aller Macht ist, der Eigentümer alles Guten, der Eigentümer allen Segens.

Und wenn ich das jetzt ernst nehme, wenn ich ernst nehme, dass der Teufel genau wie ich am Ende nur verwaltet, aber nicht besitzt – was bedeutet das dann für meine Verwalterschaft?

Richtig: dass ich mich bei Fragen um meine Verwalterschaft nicht an den Teufel wende, der ebenfalls nur verwaltet, sondern an den Eigentümer, an den, der mir alles gegeben hat. Denn nur er kann doch wissen, wie ich gut damit umgehe, wenn ich es selbst einmal nicht weiß.

Transparenz in den Themen unseres Lebens, die wir verwalten, ist etwas, das der Teufel verhindern will und Gott richtig gut gefällt.

Verwalterschaft im Alltag

Verwalterschaft findet in unserem Alltag statt, und zwar jeden einzelnen Tag mehrfach in unseren Entscheidungen, unseren Gewohnheiten, in dem, womit wir unsere Zeit füllen und wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Und Ressourcen meint nicht nur Geld, sondern auch Zeit, unsere Körper, Beziehungen, Arbeit, Talente, Visionen, unsere Verletzungen, die Punkte, die uns wehtun im Leben, unsere Gaben – all das ist anvertraut und all das gilt es zu verwalten.

Und das ist viel, und das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir haben einen Gott, einen guten, einen segnenden, keinen bescheidenen, großzügigen Gott, bei dem dieses Thema kein Randthema ist, sondern sein Herzensanliegen und zu dem wir kommen dürfen und dem wir Fragen stellen dürfen.

Sechs Punkte

Lasst mich am Ende dieses Aufschlags heute in das Thema Verwalterschaft ein paar ganz konkrete Punkte benennen, wie gute Verwalterschaft aussehen kann.

Ich glaube, der Startpunkt ist, dass du mit Jesus darüber ins Gespräch kommst. Schreib dir einmal auf, überleg dir: Was sind eigentlich Dinge in meinem Leben, die ich verwalten muss? Was sind Themen, die machen mir Druck? Was sind Themen, die laufen eigentlich schon ganz gut? Und komm mit Jesus darüber ins Gespräch.

Ich habe sechs Punkte heute Morgen mitgebracht, und damit ihr jetzt nicht alle mitschreiben oder abfotografieren müsst, haben wir sie auf die Willkommenszettel von heute gedruckt. Und wer am Eingang einen abgelehnt hat, weil ihr denkt: Ach, das brauche ich nicht, der kann sich dann am Ende noch mal einen mitnehmen. Da findet ihr noch mal alle Punkte drauf.

1. Sprich darüber mit Gott und mit Menschen

Bring Licht in die Themen, wo du nicht gut verwaltest. Vielleicht überziehst du dein Konto ständig. Vielleicht isst du abends aus Frust drei Tüten Chips zu viel. Vielleicht trägst du dem Menschen in deinem Leben immer noch eine Schuld nach, die er dir mal angetan hat. Vielleicht schleppst du dich völlig desorientiert durch deinen Job und hast eigentlich gar keine Orientierung, wie es damit weitergehen soll. Vielleicht siehst du und erlebst du gerade, dass deine Ehe kaputtgeht.

Was auch immer es ist, wo du besser verwalten müsstest, womit Gott dich segnet: Sprich es aus. Sprich es an. Hol dir Hilfe. Mach es irgendwem gegenüber transparent. Wo du anfängst zu reden, verliert der Teufel seine Macht. Wo du anfängst, über gute Verwaltung nachzudenken und zu reden, verliert der Teufel seine Macht. Sprich darüber.

2. Handle anstatt abzuwarten

Sei nicht untätig. Adam und Eva versteckten sich, nachdem sie vom Baum des Lebens gegessen hatten. Sie warteten einfach ab, ob Gott sie vielleicht hoffentlich doch nicht findet hinter dem Strauch. Und diese Strategie klappte einfach nicht.

Warte nicht darauf, dass irgendwann irgendwer mal für dich entscheidet, wie es mit dem Thema weitergeht. Gute Verwalterschaft ist aktive Verwalterschaft. Sie beginnt nicht erst, wenn du denkst, dass du genug hast. Die Bibel sagt: Wer im Kleinen nicht treu ist, wird es auch im Großen nicht sein. Sei im Kleinen treu. Sei aktiv. Verwalte aktiv das, was du jetzt hast. Und je mehr es wird, umso leichter wird es dir fallen, dieses Mehr zu verwalten.

3. Vertraue statt Misstrauen

Vielleicht hast du am Anfang der Predigt gemerkt: Dieser Punkt – Gott segnet mich, ich bin gesegnet, Gott ist kein bescheidener Gott – das fällt mir schwer anzunehmen. Dann ist das dein Punkt heute. Gott ist gut. Gott liebt dich. Unglaublich. Gott will dich segnen und du darfst ihm vertrauen, dass er auch in diesen Themen segnen will, dass er dich segnen will in den Fragen, nach denen du dich gerade sehnst, auch wenn es sich gerade nicht danach anfühlt.

Ihr habt Tabea gehört und ihre Geschichte. Das war sicherlich ganz sicher nicht leicht, in diesem Moment zu vertrauen, in diesem Moment festzuhalten. Vertraue Gott.

4. Verwaltung statt Verwahrung, Vermehrung statt Bewahrung

Ich habe das Gleichnis von den anvertrauten Talenten erzählt. Der Arbeiter, der das eine Talent bekommen hat, vergräbt es, weil er Angst hat, dass er auch das eine noch verliert.

Und am Ende hat er es verloren. Denn wer das Talent vergräbt und nichts damit macht, nur um es zu bewahren, der wird es am Ende verlieren. Wir können nur zum Segen werden, wenn wir mit Gottes Segen auch etwas anfangen. Wer damit arbeitet, erlebt mehr. Ja, auch Rückschläge. Ja, auch Misserfolge. Aber eben auch ganz viel Gutes.

Und wir haben von Genesis gehört, wo Gott die Welt erschafft. Könnt ihr euch vorstellen, was für einen kreativen Gott wir haben, dass er aus dem Nichts diese Welt erschafft? Und könnt ihr euch vorstellen, dass dieser Gott auch dich und mich geschaffen hat? Dass seine Kreativität auch in mir und in dir drin ist? Wir sind kreative Wesen von Gott, kreativ gemacht. Er hat uns gegeben, was wir brauchen, um dieses Talent zu verwalten, um es gut zu verwalten. Nicht nur zu verwahren, nicht nur zu bewahren, sondern zu vermehren.

Verwaltung statt Verwahrung, Vermehrung statt Bewahrung. Gott freut sich über Menschen, die mit Anvertrautem gut und kreativ und mutig umgehen.

5. Frag den Richtigen

Ich glaube, für mich ist das heute fast der wichtigste Punkt, aber das ist meine Verwaltung, das ist mein Leben. Für dich kann es etwas anderes sein.

Verwalterschaft ist ein geistliches Thema. Und wenn du nicht weißt, was du mit den Ressourcen in deinem Leben anfangen sollst, dann fang an damit, Gott danach zu fragen. Nicht Google, nicht dein Bauchgefühl, nicht dein Kontostand: Gott.

Ich mache mal ein ganz kleines Beispiel, was das für mich ganz deutlich gemacht hat: Wenn du etwas kaufen willst, wenn du darüber nachdenkst, etwas zu kaufen, wen fragst du? Deinen Ehepartner, deinen Kontostand, Google nach dem günstigsten Produkt oder Gott?

Und das ist keine Anklage, glaubt mir. Deswegen ist es auch für mich der wichtigste Punkt heute. Ich stehe dort genauso wie ihr. Und deswegen: Frag den Richtigen. Frag Gott, frag ihn.

Wie cool wäre es? Wie viel Segen würde es hervorbringen, wenn wir lernen würden, den Richtigen zu fragen beim Thema Verwalterschaft, den Eigentümer, Gott selbst?

6. Lass dir Zeit

Und damit komme ich zum sechsten und zum letzten Punkt für heute: Lass dir Zeit.

Ich habe mal gelernt: Je größer die Investition, desto mehr Zeit sollte bleiben, darüber nachzudenken. Und das gilt wieder nicht nur für finanzielle Entscheidungen.

Ich habe meinen Mann drei Jahre lang angefleht, er möge mich doch bitte endlich heiraten, und zwar jetzt sofort. Und heute bin ich unheimlich dankbar. Dankbar, dass dieser weise Mann gesagt hat – weise, nicht weiß – weiser Mann gesagt hat: Lass uns Zeit. Lass uns Zeit, über diese Entscheidung gut nachzudenken, gut darüber zu beten, gut zu verwalten, was wir gemeinsam dort reinbringen in diese Ehe. Ich hatte drei Jahre lang Zeit, eine gute Ehefrau zu werden, mich gut vorzubereiten.

Lass dir Zeit. Je größer die Investition, je größer das, was du zu verwalten hast, umso mehr Zeit.

Und noch ein wichtiger Punkt an dieser Stelle: Es ist okay, wenn am Ende dieses Prozesses ein Nein steht. Es ist kein Versagen, wenn du dir Zeit lässt für eine Entscheidung und am Ende zu dem Entschluss kommst: Nein, ich mache das nicht. Nein, ich kaufe das nicht. Nein, ich gehe diese Beziehung nicht ein. Nein, ich nehme den Job nicht an.

Das ist kein falscher Ausgang. Vielleicht ist es einfach nur der falsche Zeitpunkt. Vielleicht ist es Gottes Schutz. Und beides wäre sehr viel besser, als einfach Ja zu sagen. Lass dir Zeit, wenn du weise verwalten willst.

Schluss

Das war viel und es war immer noch die Oberfläche, der Anfang. Ein paar von viereinhalbtausend Bibelstellen zu dem Thema. Aber ist okay, weil wir sprechen es an, wir machen es transparent, wir lassen Gott rein, wir fragen ihn danach.

Lasst uns beten.

Jesus, ich lade dich ein, noch mal wieder immer noch in unsere Herzen zu kommen. Und ich lade dich ein, dass du deine Gedanken mit uns teilst in unserem Leben, in den Bereichen, wo wir gute Verwalterschaft lernen müssen. Ich bete, dass du uns den Mut schenkst, die Themen anzufassen, den Mut schenkst, die Sachen anzusprechen, transparent zu machen vor dir, vor Menschen. Ich bete, dass du uns Mut schenkst, in dieser Gemeinde darüber zu reden.

Und ich danke dir, dass das kein Randthema für dich ist, sondern dass es so groß ist, dass es dir so wichtig ist. Ich danke dir, dass du diese ganze Welt gemacht hast und am Ende sagst: Es ist alles gut und ich gebe es alles euch zur Verwaltung, weil ich euch liebe über alles und weil ich euch segnen will und weil ich möchte, dass ihr zum Segen werdet und mehr davon entsteht. Danke für deine Kreativität, die du in uns hineinlegst, die wir reproduzieren dürfen, die wir weitergeben dürfen.

Und Jesus, ich bete noch mal: Nimm das weg, wo dieses Thema uns Druck macht, wo dieses Thema uns Angst macht, wo dieses Thema uns überfordert.

Danke, dass wir durch dich und an dir lernen dürfen, wie wir dem Bösen entgegenstehen können.

Segne uns und lass uns zum Segen werden. Amen.