Auferstehungsgottesdienst

Auferstehungsgottesdienst

Wir wollen uns diesen heutigen Predigttext noch einmal ganz genau anschauen. Ich werde euch Lukas, die Verse 13 bis 34, vorlesen. Und weil der Text ziemlich lang ist, habe ich eine Bitte an euch. Versucht euch mal, innerlich in die beiden Jünger hineinzuversetzen, ihre Gedanken nachzuvollziehen, zu erahnen, ihre Gefühle zu verstehen. Wir werden in der Predigt immer wieder darauf zurückkommen.

Einleitung

Der Weg nach Emmaus (Bibeltext)

Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das 60 Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine von ihnen, er hieß Kleopas, antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

Er fragte: Was denn?

Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazareth. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilt und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Früh beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen es gesagt hatten, ihn selbst aber sahen sie nicht.

Da sagt er ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?

Und er legte ihnen, ausgehend von Mose und allen Propheten, dar, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen. Aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit ihnen hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn, und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf, die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Die Situation in Jerusalem

Der Herr ist auferstanden. Was für verrückte Tage in Jerusalem. Alle, ausnahmslos alle wissen, was da wegen dieses Jesus für ein Aufruhr in der Stadt ist.

Eigentlich begann der ganze Trubel schon viel früher. Wasser zu Wein war ja noch ganz nett. Jede Predigt von diesem Jesus war jedoch oft ein knackiges Denk­rätsel. Viele Krankenheilungen, aber dieser Jesus legt sich auch ständig mit den Pharisäern an. Er holt Lazarus aus dem Grab, speist große Mengen, füllt das Boot von Petrus mit Fischen und wirft die Geldwechsler aus dem Tempel. Und immer wieder Worte über das Reich Gottes. Gleichnisse, an denen man schwer zu kauen hat. Und eine Schar von Jüngern sammelt sich um Jesus und zieht mit ihm, lauscht seinen Worten, obwohl sie nicht immer alles verstehen.

Die enttäuschte Hoffnung

Wir aber hatten gehofft, dass Jesus der sei, der Israel erlösen würde. Die Jünger hatten eine Hoffnung. Sie zogen mit der Hoffnung, Jesus in Persona, durchs Land. Sie waren begeistert von dem, was sie mit Jesus erlebten, aber hatten sie den Kern der ganzen Geschichte schon wirklich erkannt? Der, der Israel erlösen wird, ja, aber die Dimension, in der das passieren würde, nein. Wenn sie nach dem letzten Abendmahl, also am Gründonnerstag, noch damit beginnen, darüber zu reden, wer der Größte unter ihnen sei.

Die Ereignisse überschlagen sich

Und dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Das letzte Abendmahl, das Gebet von Jesus im Garten Gethsemane zu Gott, die folgende Gefangennahme, politische und religiöse Intrigen zwischen König und römischer Besatzungsmacht und schließlich Verspottung, Geißelung, Kreuzigung. Ihr habt das die letzten Tage alle mitverfolgt.

Und dann stirbt dieser Jesus am Kreuz. Spätestens hier war die Hoffnung der Jünger dahin. Ihr Erlöser, tot. Ihr König gekreuzigt wie ein Schwerverbrecher zwischen eben diesen. Ihr Retter, der sich selbst nicht retten kann. Der vermeintliche Retter ist tot.

Ostersuche nach Hoffnung

Ostersuche nach Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Was dann kommt, ist große Leere, Enttäuschung, Fragen. Es geht bergab.

Für die beiden Jünger geht es tatsächlich bergab auf dem Weg nach Emmaus. Aber vermutlich sind die beiden eher auf dem Weg, sich selbst zu suchen, das Erlebte zu verdauen, die vielen Gedanken zu ordnen. Was war das jetzt alles? War das jetzt alles? Und eigentlich verstehen sie gar nichts mehr. Sie reden und tauschen ihre Gedanken aus, versuchen, das Geschehene irgendwie zu ordnen, stellen sich Fragen und gestehen sich ihre Ratlosigkeit ein.

Hinweise am Kreuz

Was sehen wir eigentlich an dieser Stelle? Schauen wir zusammen noch einmal ganz genau hin auf die Dinge, auf Golgatha.

Da ist doch einer der beiden Verbrecher am Kreuz, der seinen Tod als gerechte Strafe für seine Taten annimmt. Er sagt, wir empfangen, was wir verdient haben. Und der gleichzeitig Jesus, der zwischen den Verbrechern am Kreuz hängt wohlgemerkt, bittet, an ihn zu denken, wenn Jesus in sein Reich kommt. Eine total paradoxe Situation. Was weiß denn dieser Verbrecher, was alle anderen nicht wissen?

Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein. Hoffnung für den einen Verbrecher am Kreuz von Golgatha. Der bekommt Hoffnung in der denkbar schlechtesten Situation seines Lebens.

Der Hauptmann

Und dann ist da noch einer meiner Lieblingspersonen im ganzen Geschehen dieser Tage. Der Hauptmann. Ein römischer Hauptmann. Vermutlich war er der Befehlshaber der Wache am Kreuz. Er muss das Geschehen aus nächster Nähe miterlebt haben und dann kommt er zu einem eigenartigen Schluss. Dieser Mensch ist wahrlich Gottes Sohn gewesen.

Also ehrlich, es bleibt auch mir völlig verborgen, was den Hauptmann zu dieser Erkenntnis geführt hat. Ein Römer, der mit Judentum nun eigentlich überhaupt nichts zu tun hat. Auch er hat etwas gesehen, gefühlt oder intuitiv gespürt, was anderen verborgen geblieben ist.

Der entscheidende Satz

Die ganze Geschichte scheint bei Weitem nicht so einfach, wie es den Anschein hat. Aber bitte, wo ist die Auflösung?

Und da war da noch dieser eine Satz. Die letzten Worte Jesu: Es ist vollbracht.

Wie die Sonne am Ostermorgen zieht da irgendein Streifen Hoffnung am Horizont auf. Das klingt alles so, als würde noch etwas kommen.

Die Verwirrung der Jünger

Und da berichten doch die Jünger schon aufgeregt dem fremden Wegbegleiter auf ihrem Weg nach Emmaus die neuesten Geschichten. Jesus ist nicht mehr im Grab. Ein Engel war dort und erzählt, Jesus würde leben. Die Jünger verstehen immer noch nichts. Bekommen es noch nicht zusammen. Sie haben Jesus sterben sehen. Er ist tot. Wie soll er denn leben? Er war doch der Einzige, der einen Toten auferwecken konnte.

Der Schlüssel: Gottes Plan

Und jetzt holt unser vermeintlicher Fremder aus: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben, musste nicht der Christus das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?

Der Kernsatz der ganzen Geschichte um Ostern. Musste nicht Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?

Das alles musste so sein, weil es eben anders nicht ging.

Die Jünger als Juden hatten damals einen Schlüssel zu alldem: die Heiligen Schriften. Ganz Israel wartete auf den Erlöser. Er ist verheißen worden in den Heiligen Schriften. Zigmal, unzählige Male. Von Mose über alle Propheten lehrt Jesus sich selbst jetzt den beiden in der Schrift.

Und irgendwie scheint es auch in den Jüngern wieder etwas zu entfachen. Ihr Herz beginnt zu brennen.

Die Bedeutung des Kreuzes

Nun, ich könnte mir gut vorstellen, das wurde eine intensive Bibelarbeit bei den vielen Hinweisen, die wir in der Bibel auf Jesus finden, im Alten Testament wohlgemerkt. Ich spare mir das jetzt mit euch, weil dann sitzen wir heute Abend noch hier.

Ich möchte die Notwendigkeit des Kreuzes einfach nur komprimiert kurz zusammenfassen. Der Mensch hat sich getrennt von Gott. Die intensive Beziehung zwischen Gott und Mensch ist zerbrochen. Der Mensch ist auf völlig falschen Wegen und macht Dinge, die alles andere als gut sind. Wir alle merken doch täglich, dass da etwas gewaltig schiefläuft in dieser Welt.

Opfergaben und Opfertiere sollten helfen, die Schuld des Einzelnen zu sühnen, aber das hat dann nur einzelnen Juden geholfen. Eine andere Lösung musste her, eine Lösung für alle Menschen.

Und über diesen Plan berichten schon die alten Propheten, lange vor der Geburt des Gottessohnes.

Jesu Weg ans Kreuz

Und wie ich am Karfreitag gelernt habe, steht das sogar in den Psalmen.

Gab es denn keinen anderen Weg als den bitteren Weg ans Kreuz? Nein. Mit weniger als dem schuldlosen Sohn Gottes ließ sich stellvertretend die gesamte Schuld der Menschheit nicht bezahlen. Darum ging es.

Jesus wusste genau, was ihn erwartet, was seine wichtigste Aufgabe ist, für die Schuld der Menschen stellvertretend zu sterben.

Vor einer Woche haben wir hier im Wohnzimmergottesdienst über Jesu Salbung in Bethanien gesprochen. Sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis, sagt Jesus. Der Anfang einer nahtlosen Kette von Hinweisen auf seinen kurz bevorstehenden Tod.

Das letzte Abendmahl: Wahrlich, ich sage euch, ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, an dem ich es neu trinken werde im Reich Gottes.

Und schließlich Gethsemane: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

Jesus hätte vermutlich sehr wohl vom Kreuz heruntersteigen können. Er trug es freiwillig. Für den Willen des Vaters. Für uns.

Erkenntnis und Umkehr

Gottes Wille ist geschehen. Der Hauptmann ahnt es instinktiv. Es ist vollbracht.

Nachdem alle Fakten aus den Schriften erklärt sind, gibt sich auch Jesus nun endlich zu erkennen und entschwindet augenblicklich.

Jesus lebt. Es ist tatsächlich wahr.

Was mag in den beiden Jüngern jetzt vorgegangen sein? Ihre Gefühlswelt fährt Achterbahn. Aus Hoffnung wurde Tod. Aus dem Tod wurde jetzt Gewissheit. Aus Trauer wird Freude. Das Puzzle in ihren Köpfen beginnt, sich langsam zusammenzusetzen. Neue Hoffnung.

Die Botschaft

Und was kommt jetzt? Unsere beiden Jünger gehen sofort zurück nach Jerusalem. Dass Jesus lebt, das wird ihnen dort noch bestätigt. Die anderen haben es auch erlebt. Jesus ist greifbar und sie beginnen zu verstehen. Die Botschaft von der Errettung der Menschen findet den Weg vom Kopf ins Herz.

Bald nach Pfingsten werden die Jünger in alle Richtungen ziehen und diese Botschaft verkündigen.

Vier Kernsätze

Was werden sie berichten? Ich habe versucht, vier Kernsätze zu bilden:

Mit jedem Satz wollen wir eine Kerze auf unseren Altar anzünden, als Zeichen, dass diese Botschaft uns erreicht hat.

Unsere Rettung hätte nicht stattfinden können, wenn Gott nicht selbst durch seinen Sohn Mensch geworden wäre.
Die Geburt Jesu als Sohn Gottes wäre bedeutungslos für uns geblieben ohne die Geschehnisse am Kreuz.
Ohne Jesu Tod und Auferstehung keine Rettung für uns.
Ohne persönliche Annahme von Jesus keine Verbindung zu Gott.

Die persönliche Entscheidung

Und nun? Was machen wir nun mit dieser Botschaft?

Es geht nicht weniger als um uns alle. Jesus hat sich nicht zum Spaß ans Kreuz nageln lassen. Gott will wieder eins mit uns sein, deshalb dieser dramatische Aufwand.

Jeder von uns hängt sinnbildlich neben Jesus am Kreuz. Jeder ist Sünder. Ob groß oder klein, Sünde ist Sünde. Niemand kann sich selber aus dem Sumpf ziehen.

Es geht um dich und um mich.

Einladung

Jesus möchte den Weg in dein offenes Herz finden. Das bedarf nur drei kleiner Schritte, dies zu tun:

Erkenne, dass du Dreck am Stecken hast, also ein Sünder bist.
Gib Jesus dein Leben hin.
Und nimm Jesu stellvertretenden Tod für dich an.

Wenn du noch nicht zu diesem Schluss gekommen bist und mit jemandem darüber reden oder beten möchtest, dann besteht hier und heute die Möglichkeit dazu. Sprich einfach jemanden aus dem Team an oder mich und Magda. Wir werden oben auf der Empore sein, während hier unten dann umgebaut wird und etwas Gewusel ist.

Schluss

Die ersten Jünger jedenfalls werden diese Botschaft, genau diese Botschaft, in die Welt tragen. Die Ostersuche nach Hoffnung ist Gewissheit geworden. Die Jünger werden predigen, Gemeinden gründen und Wunder erleben.

Lassen wir sie ziehen und beenden diese Predigt mit den Worten:

Der Herr ist auferstanden.

Amen.

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