Der Liebesbrief Gottes

Der Liebesbrief Gottes

Einleitung: Die Macht der Liebe

Abends um kennt Sophie kein Pardon. Da kann die Mutter noch so dringend mahnen. Sophie, du musst noch Klavier üben, oder? Sophie, nun hilft doch bitte mal den Tisch decken. Aber diese halbe Stunde zwischen 18:15 Uhr und 19 Uhr 45 Uhr gehört ganz der Liebe. Wie alle ihre Freundinnen aus der Schule guckt die Konfirmantin Sophie in dieser Zeit täglich Anna und die Liebe. Am nächsten Morgen oder vielleicht schon am Abend auf Facebook oder Instagram werden die neuesten Entwicklungen besprochen. Für die meisten erwachsenen Betrachter geht es immer um das gleiche. Da wird sich fair und entliebt. Da treibt einer ein falsches Spiel mit der Liebe. Eine will nur ihren Spaß, zeigt kein wahres Gefühl. Und noch eine andere kapiert gar nicht, dass derjenige, welcher doch schon half in sie verknallt ist. Ein bisschen Intrige, ein bisschen Sehnsucht, immer große Gefühle. Musst du das jetzt gucken? läuft die Mutter und weiß, ist völlig zwecklos, die Liebe ist eine Macht des Himmels. Das ist doch alles nur Kokolores der Vater. Aber wenn niemand hinsieht beim Friseur, wettert selbst er gerne verstohlen durch die Bilder der Royals. Für die jungen Leute gibt es einfach nichts aufregenderes als die Liebe. Und wer sagt denn, dass das für die Älteren wirklich anders wäre? Noch einmal jung wird das goldene Hochzeitsjubiläumspaar, dass der Facher bittet ihm doch das Kennenlernen und die Zeit bis zur Hochzeit zu schildern. Und eine sehr alte Frau kann schwärmen. Die grüne Hochzeit war schön, die goldene Hochzeit war schöner, aber die Diamantene Hochzeit war die allerschönste.

Vielleicht erinnert ihr euch, wie das war, als ihr das letzte Mal einen Liebesbrief bekommen habt, schon länger her oder heute schon?

Heute kommt er ja eher über Smartphone, gleichgültig wie er uns erreicht. So irgendwie cool einzubekommen oder also unabhängig davon, ob das die richtige Person ist, die einen das schickt. Es ist dann manchmal auch noch so ein so eine Sache. Ähm aber erstmal schön, wenn man selber einbekommt von wem auch immer. Man fühlt sich aus der Masse der anderen herausgehoben, erwählt, auserwählt. Man sieht sich selbst wieder neu in einem neuen Licht mit neuem Glanz, weil da einer ist, der sagt: „Dich liebe ich.“ Und manchmal braucht dieser Brief ein Boten, ein Engel. Ein Engel, der dich rüttelt und dir sagt: „Werd doch.“ Merkst du es nicht? Der ist in dich verliebt. Der meint es ernst. Deshalb benimmt er sich so seltsam. Mach die Augen auf. Vertraue doch. Verstecke dich doch nicht hinter der Meinung, dass ich in dich kein Mensch verlieben könnte. Dir wird Liebe geschenkt. Du bist der Liebe wert. Also trau dich. Verschließe nicht deine Augen davor.

Der Liebesbrief Gottes

Im Predigtext für heute geht der Prophet Mose in die Rolle des Liebes Engels, des Liebesboten und wendet sich an die Menschen, die mit ihm 40 Jahre durch die Wüste gezogen sind. Es ist für ihn Zeit, diesen Menschen einen Liebesbrief vorzutragen. Dieser Liebesbrief steht im fünften Buch Mose, Kapitel 7, die Verse bis 12.

Denn du bist ein Volk, das dem Herrn, deinem Gott, heilig ist. Dich hat der Herr, dein Gott, auserwählt, damit du unter allen Völkern, die auf der Erde leben, das Volk wirst, das ihm persönlich gehört. Nicht, weil ihr zahlreicher als die anderen Völker wäret, hat euch der Herr ins Herz geschlossen und ausgewählt. Ihr seid das Kleinste unter allen, weil der Herr euch liebt und weil er auf den Schwur achtet, den er euren Vätern und Müttern geleistet hat. Deshalb hat der Herr euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus dem Sklavenhaus freigekauft aus der Hand des Pharao des Königs von Ägypten. Daran sollst du erkennen, Jahwe dein Gott ist der Gott. Er ist der treue Gott. Noch nach tausend Generationen achtete auf den Bund und er weiß denen seine Hult, die ihn lieben und auf seine Gebote achten. Den aber, die im Feind sind, vergilt er sofort und tilgt einen jeden aus. Er zögert nicht, wenn einer ihm Feind ist, sondern vergilt ihm. Deshalb sollst du auf das Gebot achten, auf die Gesetze und Rechtsvorschriften, auf die ich dich heute verpflichte und du sollst sie halten.

Warum Gottes Liebe anders ist

Hätte enttäuscht.

Romantiker war Mose nicht. Das merkt man gleich. Von einem gelungenen Liebesbrief erwarte ich doch erwarte ich doch ein wenig mehr Romantik, könnte ich meinen. Er sollte sich doch zumindest bemüht zeigen, was man am Geliebten so verehrt, ja, begehrt. Die blauen Augen, die schlanke Gestalt oder noch besser das unvergleichliche Wesen, die inneren Werte und natürlich exklusiv sollte er doch sein. Wie kann das mein ganz persönlicher Liebesbrief sein, wenn er sich doch an ein ganzes Volk richtet? Wie kann das überhaupt ein Liebesbrief sein, wo er doch mit einer Trohung schließt, nicht zu knapp auch von Pflichten spricht? Na ja, Mose war zu dem Zeitpunkt eben ein alter Mann. Moment, eigentlich ist das kein Grund, oder? Vielleicht war Mose auch einfach kein großer Romantiker. Vielleicht macht noch etwas anderes den Unterschied. Mose kämpft hier um eine Liebe, die schon echt viel mitgemacht hat. Die Liebe zwischen Gott und seinem Volk. Die Menschen haben sich dabei als ziemlich wankelmütig und wenig treue Liebespartner offenbart. Und Gott hat um diese Liebe gekämpft. Mose hat um diese Liebe gekämpft und nach 40 Jahren Wüstenwanderung kommt Mose nicht mit romantischen Worten an. Aber nach all den Entbehrungen dieser harten Zeit halte ich seine Worte nicht für weniger eindringlich. Mose weiß, dass es ins Elend führt, wenn Menschen Gottes Gebote verachten, wenn Menschen unmenschliches tun und sich gottlos geben. Das Leid, das daraus erwächst, sagt er, ist die verdiente Vergeltung Gottes. Das lass ich mal so stehen, auch wenn das nicht mit meinem Gottesbild so richtig zusammenpassen mag. Mose hat das offenbar damals genauso empfunden. Was er aber auch erlebt hat, ist wie Gott um diese Liebe kämpft. Und so leuchtet in diesen Worten das Große trotzdem für mich hindurch. Trotz allem auch wenn ihm selbst die Liebe verweigert wird, Gott steht zu seiner Liebe. Und diese Liebe ist mehr als Schwärmerei. Sie hängt nicht an vergänglichen Äußerlichkeit, nicht an den herausragenden Eigenschaften einzelner Menschen oder auch dieses Volkes Israel. Gott kann gar nicht anders als lieben, denn Gott ist Liebe. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. So schreibt es viele hundert Jahre später ein Christ im ersten Johannesbrief im vierten Kapitel. Und wenn auch alles andere aufhören sollte, seine Liebe hört nie auf, so wie es der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief 13. Kapitel schreibt.

Eine Liebe, die durchträgt

Damals haben diese Worte Menschen empfangen, die nach langer Wüstenwanderung, also nach einer wirklich ewig andauernden, entbehrungsreichen Zeit, wo die echt viel durchgemacht haben, das gelobte Land erblicken. Da waren auch Menschen wie Sophie, die Jugendliche, die zwar damals auf dem Weg durch die Wüste keine Telenovelas schauen konnten, die aber, das glaube ich schon, die gleiche Sehnsucht hatten wie Menschen heute nach der einen großen Liebe.

Mirjam und die Hoffnung auf das gelobte Land

Und ich stelle mir eine Mirjam vor, nicht unsere Mirjam hier in den Reihen. Auch nicht die berühmte Schwester des Mose, aber ihren Namen hat sie von dieser Das hat ihr die Mutter erzählt, seit sie ein kleines Mädchen ist. Lebhaft, dramatisch und fröhlich hat die Mutter beschrieben, wie es war, als Mirjam, die Schwester des Mose damals ihr Lied sang. völlig ungehemmt, weil überschäumend vor Freude über die Rettung im Schilfmeer, die Befreiung aus Ägypten. Und in der René hat heute in der Eingebung Gottes dieses Lied als Eingangsstück heute gespielt und hat diese Klänge aufleben lassen von diesen Freudentanz, diesen Freudenlied, was die Israeliten mit Miriam getanzt, gesungen haben, als sie äh erlebt haben, wie Gott sie durch das Schilfmeer hindurch gerettet hat vor dem stolzen Pharao. Mirjam aber ist ein die junge Miriam wiederum ist ein Kind der Freiheit. Mirjam ist in der Wüste geboren. Sie kennt nur die Wanderschaft und ihre Eltern, ihr ihr Volk, die Liebe ihres Gottes und die Liebe zu ihm. Natürlich kennt sie auch die tiefe Sehnsucht nach dem gelobten Land, in das der Herr sie führen wird. Sie freut sich darauf, sie kann es nicht mehr abwarten. Über dem Wandern ist Miriam erwachsen geworden. Die spürt, was sie hört, weil Mose es sagt, nun ist es nicht mehr weit. Mose weiß viel mehr von Gott als sie. Meint sie. Mose gibt Gottes Worte weiter. Er war auf dem heiligen Berg damals. Trotzdem hat Gott Mose nicht lieber, sondern liebt sie alle gleich. Manchmal ist Gott einfach zu geheimnisvoll für Miljam. Die Mark Jona ihr Herz klopft, wenn sie ihn sieht und seine dunklen Augen und sein Lächeln glitzert darin. Aber Gott sucht sich dieses kleine Bettelvolk aus. Du bist mein Schatz. Du bist meine erste Wahl vor allen anderen. Dieser Gott ist doch rätselhaft und geheimnisvoll. Und Miriam spürt, es ist kein anderer Gott. Ihn wird sie im Herzen bewahren, achtsam sein, dass sie ihr Herz nicht fesseln lässt vom Reichtum und Glanz der Menschen in Kana an. Davon trennen sie nur noch wenige Kilometer. Miriam nimmt sich vor, auch im gelobten Land bei Gott zu bleiben, das Leben zu wählen, die Gebote zu achten und sich seiner Liebe würdig zu erweisen.

Die Taufe als Zeichen von Gottes Liebe

Zwei bis drei Jahrtausende später, Sommer 2026. Heute, Heike, hast du dich taufen lassen und dich mit Gott verbunden. Hast dich in diese Verbindung mit Gott begeben, in die schon damals die Israeliten sich begeben haben. Den Gott, der sie gerettet hat, der sie getragen hat durch die Wüste hindurch. Und Jesus hat uns diese Verbindung zu Gott zugänglich gemacht, uns allen weit über die Grenzen des Volkes Israel hinaus. Heute hast du dich mit Gott verbunden, dem Gott, der seine Liebe zu den Menschen äh das lebt und an ihr unerschütterlich festhält. Gott hat über Jahrtausende erlebt, wie wankelmütig Menschen sein können. Und auch heute, wenn wir jemanden taufen, wenn jemand sich zu Jesus bekennt, dann stellen wir uns in eine Liebe Gottes hinein, die von dem Großen trotzdem getragen wird. Gott spricht: „Ich halte zu dir trotz allem, obwohl ich weiß, zu was Menschen in der Lage sind, fähig sind, bin ich bereit immer wieder neu zu lieben, zu vertrauen und zu meiner Liebe zu stehen. Unverbrüchlich, unerschütterlich. Für diese Liebe brauche es keine Bedingung.“ Und die Taufe heute, die ist das sichtbare Zeichen für die Liebe Gottes. Du bist Teil von ihm und er ist Teil von dir. Ihr gehört zusammen und Gott wird kein Schritt weichen aus dieser Liebe, sondern wird immer zu dir und zu dieser Liebe zu dir stehen. Nichts weder im Himmel noch auf Erden kann uns von der Liebe Gottes trennen, schreibt der Apostel Paulus im achten Kapitel seines Römerbriefes. Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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