Einleitung
Schenk uns ein Herz für dein Wort und dein Wort für unser Herz. Amen.
Die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen
Was für eine irre Situation, die wir gerade im Evangeliumstext gehört haben. Zwei Jünger Jesu erleben den Auferstandenen auf ihrer Reise. Die kehren um, um den anderen in Jerusalem zu berichten. Als sie ankommen, werden sie mit den Worten begrüßt: „Der Herr ist auferstanden. Simon hat ihn gesehen.“
Beide berichten von ihren Erlebnissen mit Jesus, und plötzlich steht er mitten unter ihnen. Bricht jetzt die große Freude aus? Nein, die bekommen ihr Wissen und die Realität nicht zusammen. Da steht einer, den es gar nicht geben durfte. Ein bisschen sieht er ja aus wie Jesus, aber auch wieder nicht. Das Trauma der letzten Tage hält sie noch immer gefangen. Sie fürchten sich sehr.
Selbst als Jesus seine Hände und Füße zeigt, hilft es nichts. Er ruft ihnen zu: „Kommt, fasst mich doch an.“ Aber sie können es nicht. Die Furcht ist größer. Erst die Frage nach etwas zu essen löst den Stachel. Die Erscheinung – das bricht den Bann. Jetzt können sie sich auf ihn einlassen, aber immer noch sind da ihre Gedanken und Gefühle und das Geschehen der letzten Woche.
Wie wird es wohl in ihnen ausgesehen haben? Na ja, um dieser Frage nachzuspüren, wäre es sicher gut, wenn wir uns mit an den Ort des Geschehens begeben. Ich lade euch jetzt dazu ein.
Wir setzen uns jetzt einfach mal mitten unter die Jüngerschar. Eben sind die zwei Jünger aus Emmaus eingetroffen. Ganz aufgeregt erzählen sie von den Begegnungen mit Jesus. Die Aufregung überträgt sich auf alle. Erst erzählten die Frauen von der Begegnung mit dem Auferstandenen, dann Simon Petrus und nun noch diese zwei.
Das scheint also wirklich irgendwie wahr zu sein – oder doch nicht?
Angst, Zweifel und Schuld
Und nun ist da plötzlich diese Erscheinung. Ja, doch, eine Ähnlichkeit ist schon vorhanden. Aber ist das wirklich ihr Freund Jesus, ihr Rabbi? Der kann doch nicht durch Wände gehen. Das muss ein Geist sein, ein Gespenst.
Neben der zweifelnden Wiedersehensfreude macht sich nun auch Angst breit.
Jetzt spricht diese Gestalt auch noch mit ihnen. Ah, das klingt nun doch sehr nach Jesus. Wenn er es nun doch ist? Jetzt erschrecken sie noch mehr. Es fällt ihnen ein, wie es war in den Stunden im Garten Gethsemane.
Wie sie ihren Freund im Stich gelassen haben. Sie haben ihm nicht beigestanden, als er sie so sehr brauchte. Sie sind alle weggelaufen. Petrus denkt auch noch an seinen Verrat.
Wie enttäuscht ist Jesus von ihnen? Was wird er wohl jetzt zu ihnen sagen? Zitternd warten sie auf seine nächsten Worte.
Jesus begegnet ihnen mit Gemeinschaft
Und dann kommt die Bitte, mit ihm zu essen. Er will mit ihnen zusammen sein und das Brot mit ihnen teilen. Kein einziges Wort der Enttäuschung, kein Abwenden, kein Vorwurf.
Jesus will trotz ihres Versagens Gemeinschaft mit ihnen haben.
Hört ihr es auch? Hört ihr die Steine von den Herzen plumpsen? Spürt ihr das Aufatmen und die Erleichterung? Ihr Jesus will sie immer noch. Nun wird alles gut. Nun ist alles gut. Ihr Jesus ist wieder da. Ihr Jesus ist wieder da.
Und jetzt kann er mit ihnen reden und ihnen alles erklären. Alles, was er in den letzten drei Jahren immer wieder angedeutet und angesprochen hat. Er zeigt ihnen, dass alles einen Sinn ergibt, dass es so kommen musste.
Die letzten sieben Tage – vom Einzug in Jerusalem über seine Gefangennahme und die Kreuzigung bis hin zum Ostertag und der Auferstehung. Es war nicht ein großes Versehen, sondern eine Erfüllung alter Prophezeiungen.
Jesus erklärt die Schrift
Welch eine Situation. Jesus erklärt den verunsicherten und begriffsstutzigen Jüngern die Heilige Schrift. Das würde ich mir auch immer mal wünschen. Wenn wir nicht wissen, was das alles soll, wenn wir denken, es geht nicht weiter, wäre es doch toll, wenn Jesus eintreten würde, um uns die Bibel und die Weltgeschichte zu erklären.
Was würde er sagen zu unserem Leben, zu unseren Gemeinden, zu unserer Gesellschaft in der Welt?
Was bedeutet das für uns heute?
Aber wir brauchen eigentlich nicht, die Ohren hängen zu lassen. Auf den ersten Blick hatten die Jünger es besser, denn sie hatten Jesus bei sich. Doch wenn wir genau hinschauen, fehlt uns heute nichts.
Wir haben die Bibel – ein Buch, das es in dieser Form zu Jesu Zeiten und den der ersten Jünger überhaupt noch nicht gab. Damals konnte ich Jesus nur an einem bestimmten Ort treffen. Heute kann ich durch den Heiligen Geist Jesus überall treffen.
Und so ist es möglich, dass Jesus heute und hier zu unserem Herzen spricht – und gleichzeitig Sergej in Russland, Mutan in Laos und Lars und Bill in Texas die Schrift erklärt.
Es braucht niemand mehr, auf Jesus, auf die Nähe Gottes zu verzichten.
„Friede sei mit euch“
So dürfen auch wir jetzt hören, wie der Auferstandene zu uns spricht:
Friede sei mit euch.
Ja, Jesus weiß um unsere große Sehnsucht nach Frieden. Nach diesem Frieden. Wie heißt es so schön in einem Lied aus unserer Jugendzeit:
Frieden, den die Welt nicht geben kann.
Frieden, den die Welt nicht nehmen kann.
Jesus kann und möchte genau diesen Frieden schenken. Als Auferstandener spricht er ihn immer wieder seinen Jüngern zu. Er sieht ihre Angst. Er sieht ihre Unsicherheit. Er sieht ihre aufgewühlten Herzen.
Friede sei mit euch – ist seine Antwort darauf. Es ist seine Begrüßung. Er stellt diesen Gruß an den Anfang.
Auch heute wird in Israel mit einem „Schalom“ gegrüßt. Dabei bedeutet Schalom mehr als Frieden. Es ist das Wohlergehen auf allen Gebieten und in allen Bereichen des Lebens. Diesen Schalom sagt Jesus auch uns zu.
Er weiß, wie sehr wir uns danach sehnen:
nach Frieden in der Welt,
nach Frieden mit unseren Mitmenschen,
nach Frieden in unserem Herzen.
Durch Jesus dürfen wir es uns auch immer wieder gegenseitig zusprechen:
Friede sei mit dir.
Auftrag: Zeugen sein
Mit diesem Frieden im Herzen fällt es uns leichter zuzuhören. Auch die Jünger haben das so erlebt.
Und nicht nur das. Jesus erklärt nicht nur, was passiert ist. Er weist auch in die Zukunft:
Ihr werdet meine Zeugen sein.
Christ sein, mit Jesus unterwegs sein, beinhaltet immer auch die Aufgabe, als Zeuge zur Verfügung zu stehen.
Wer soll den Menschen von Gott erzählen, wenn nicht seine Kinder? Wenn nicht die Menschen, die mit Jesus unterwegs sind?
Und als Zeuge muss ich mir ja nichts zusammenreimen. Ich soll nur berichten, was ich selbst erlebt habe. Nichts dazufügen und nichts weglassen.
Der Heilige Geist wirkt
Und Jesus verheißt sogar noch Hilfe: Der Geist Gottes, der Heilige Geist, rüstet uns aus, dass wir Zeugen sein können.
Petrus hält später seine Pfingstpredigt und 3000 Mann bekehren sich. Sie tun es aus zweierlei Gründen:
Zum einen spricht Petrus als Zeuge. Er spricht davon, was sie mit Jesus erlebt haben.
Zum anderen gibt der Heilige Geist Kraft zum Reden und öffnet die Ohren des Herzens bei den Zuhörern.
Und deshalb braucht es uns nicht bange zu sein, wenn wir von unserem Glauben reden. Wir sollen nur erzählen, was wir erlebt haben.
Glaube im Alltag leben
Wenn du erlebt hast, dass Gott dir Frieden ins Herz geschenkt hat, dann erzähl davon.
Wenn du erlebt hast, dass du Freude hast, weil du sein geliebtes Kind bist, dann erzähl davon.
Wenn du erlebt hast, dass du gebetet hast und Gott dir geholfen hat, dann erzähl davon.
Ja, erzähl davon. Das ist wichtig und das ist richtig.
Aber unsere Worte bleiben doch recht leere Hüllen, wenn wir nicht auch danach leben. Unsere Haltung zeigt so viel.
Erleben Menschen, dass wir dankbar und zufrieden sind?
Finden wir Worte, die andere wertschätzen und ermutigen?
Sind wir ehrlich, auch wenn es manchmal unbequem ist?
Beten wir für andere und bringen ihre Nöte zu unserem himmlischen Vater?
Und erleben Menschen durch mich etwas von dem Osterfrieden?
Hören Menschen durch mich etwas von der Osterhoffnung?
Führen wir Menschen durch uns zur großen Osterfreude?
Zuspruch und Abschluss
Ach du meine Güte, wie soll ich das nur schaffen?
Jesus spricht seinen Jüngern die Kraft des Heiligen Geistes zu. Auch wir können das nicht aus uns heraus und brauchen diesen Beistand.
Und wir dürfen Jesus – ich und auch du – du darfst diesen Jesus in deinem Herzen immer bei dir haben. Jede Stunde und jeden Tag.
Jesus, den die Welt nicht geben kann.
Jesus, den die Welt nicht nehmen kann.
Und deshalb, genau deshalb dürfen wir einstimmen in den Osterruf:
Der Herr ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.
Segen
Der Friede, den Jesus uns immer wieder zusagt –
Friede, den die Welt nicht geben und nicht nehmen kann –
fülle eure Herzen und Gedanken aus.
Gottes Frieden sei in und mit dir.
Amen. Amen.