Gott und mein Terminkalender

Gott und mein Terminkalender

Eph 2, 4-10       11. Sonntag nach Trinitatis – Großgrabe/Schmeckwitz/Elstra, am 15.08.2021

„Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden – ; und hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

Liebe Gemeinde! Der liebe Gott und mein Terminkalender liegen oft im Clinch. Gott hat einen Plan. Ich habe Pläne. Dass Gott einen Plan für mich hat, steht so hier. Ich will es glauben: „Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Gott hat gute Werke vorbereitet, sie sind fertig, bereit. Damit sie vollendet werden, ihren Sinn, ihre Bestimmung erfüllen, soll ich sie durchleben, durchschreiten, ergreifen, erleben und tun. – Und schon formt sich ein leises Gebet: „Herr, lass mich deinen Plan, deine guten Werke erkennen!“ Ich brauche also für mein Leben, besser, meine Beziehung zu Gott, genau das, was in Sprüche 20,12 steht: „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der Herr.“ Also – Gottes Plan erkennen. Für mich und diesen Tag. Für die Menschen, die meinen Weg kreuzen. Für unser Vaterland? Fragezeichen. Da Gottes Willen – finde ich – nicht so leicht und oft nicht ganz eindeutig zu sehen und zu hören ist, ziehe ich den Kreis mal nicht zu groß. Bleibe in meinem Lebensumfeld von Familie, Dorf und Gemeinde. Gottes Plan – das beginnt wohl mit entspannen. Denn ich erfahre hier: alles ist fertig: Die „guten Werke, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Du musst die Welt nicht retten. Halt also den Ball flach, wird mir zugesprochen. Das lasse ich mir gern sagen. Jetzt der nächste Schritt. Ich möchte erfahren, was und wo diese guten Werke sind. Ich habe eine Vorstellung: Die Erde ist Gottes gutes Werk. Sie ist fertig. Ich darf sie als meinen geschenkten Lebensraum erkennen, leben und gestalten. Da sind wir beim Thema Schöpfungsverantwortung und Dankbarkeit. Auch die Menschen sind Gottes gutes Werk. Ich lese es auf der ersten Seite der Heiligen Schrift: „Und er schuf sie als Mann und Frau … und siehe, es war sehr gut.“ Da es in unserm Predigtwort um Liebe, Barmherzigkeit, Gnade und Vergebung geht, entscheide ich mich für die Menschen. Sie glaube ich als Gottes gute Werke. Was bedeutet diese Anweisung in Blick auf die Menschen: Die „guten Werke, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Unser Miteinander. Beziehungen? Ich hole mir Rat aus dem ersten Satz: „Gott ist reich an Barmherzigkeit.“ Diesen Reichtum hat er mit uns geteilt. So gibt es gleichsam Tankstellen der Barmherzigkeit. Wir können auftanken. Das vollzieht sich durch Vertrauen: „Ich vertraue, Gott, deinen Wort. Es versichert mir, dass du reich an Barmherzigkeit bist. Also hast du auch genügend für mich.“ Durch solch ein Gebet des Glaubens schöpfe ich einen kleinen Mut und etwas Zuversicht. Was Gott für mich hat, hat er auch für die andern. Ich bin auch als Tankstelle vorgesehen. Habe ich aufgetankt, kann auch ich teilen. Gebet, Glauben, Ermutigung. Gott bejaht dich. Hinter dir, was war, und vor dir, was wird – ist Gottes JA. Die Menschen um uns bejahen – so erreichen Gottes schon getanen Werke ihre Bestimmung: Respekt, Wertschätzung, füreinander einstehen. An diesem Punkt angekommen halte ich wieder an und frage: Geht es um Respekt? Nach meiner Denke schon, aber ich schaue wieder in Gottes Wort und lese: „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht.“ Neben der Barmherzigkeit werde ich an die Liebe erinnert. Das ist eine andere Liga als Respekt. Es geht ja hier um die Liebe Gottes. Und ich lese vom Leben. Aber nicht die Beschreibung menschlicher Tage. Sondern von dem ewigen Leben. Und – im ersten Lesen klingt es befremdlich – „die wir tot waren in den Sünden“, also heißt das aus Gottes Sicht: Ein Mensch ohne Vergebung seiner Sünden, ein Menschenkind ohne Jesus, ist vor Gott tot, weil der Tod über jeden ohne Jesus noch Macht hat. Das irdische Leben, die paar Tage des Menschen, zählen gegenüber der Ewigkeit gar nicht. Jedenfalls vor Gott. Wir sehen das wohl oft anders. Ja, wir planen und gestalten unser Leben nicht selten so, als wäre es das einzige. Gottes Plan heißt Ewigkeit. Du sollst diese erringen und anderen dabei helfen. Nicht Perspektive Tod, sondern ewiges Leben ist Gottes Absicht für unsere Erdentage. In dieser Perspektive sollen wir leben. Nicht Ende, sondern Vollendung schenkt seine ewige Liebe. Für immer in Gottes Liebe sein. In Vollkommenheit. Das hat Gott vorbereitet. Es ist alles bereit. Da wir es geschenkt bekommen, ist nichts weiter zu tun, als das Geschenk auszupacken und damit zu leben. Sprich glauben, Gott vertrauen. Das Wort für Geschenk in unserem Predigtwort heißt „Gnade“ und ist tiefer als das Wort „Geschenk“. Bei „Gnade“ höre ich Liebe mit, innige Beziehung, völlige Zuwendung, Hingabe und wertvoll. Da wir uns in einer Leistungsgesellschaft abrackern und Leistungsmaßstäbe unsere Lebensstruktur bestimmen, ist unser Denken und Fühlen auch so gepolt. Deshalb haben wir kaum Erfahrungen mit Gnade und es fällt uns schwer, Gnade anzunehmen. Schnell sagen wir: Was nichts kostet ist nichts wert. Diesen folgenschweren Trugschluss, was die Gnade Gottes betrifft, gilt es im Glauben die Stirn zu bieten. Deshalb sind Erinnerungen an Gnadenerfahrungen hilfreich. Es gibt Gnadenstunden in unserm Leben, wo wir empfangen oder schenken durften. Erinnere dich. „Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Ps 103,2) Gnade – da sehe ich vor mir eine Mutter, die ihr Baby gerade stillt. Das kleine wunderbar duftende Wesen in ihren Armen ist einfach nur da, hat nichts getan und empfängt. Nahrung, Fürsorge, Zärtlichkeit und Liebe. Für das Neugeborene ist alles umsonst. Es ist das Wertvollste, was den Eltern in ihrem Leben in die Hände gegeben ist. Die Gnade ist gratis. Aber nicht für den, der sie gibt. Wer Kinder hat weiß, dass man „sein Leben geben muss“, damit aus dem Kind etwas wird. Neben dem Glück und der Freude stehen durchwachte Nächte, Sorgen in Krankheit, der Schmerz des Loslassen bei Zuckertüte, Abschlusszeugnis und Studium im Ausland. Ein Kind ist teuer. Mein Kind ist mir teuer. Gott sind seine Kinder das Teuerste. Und da hat er diesen Preis aus Liebe bezahlt. Jesus seinen Sohn geschickt. Der gab am Kreuz sein Leben. So wurden die vom Satan in Sünde gebundenen Menschen aus der Macht des Todes freigekauft. Das ist Gottes teure Gnade. Für uns umsonst. Von Jesus und unserer Rettung hören wir hier: „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet worden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus … Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Jetzt ist dieses Wort mit mir ans Ziel gekommen. Von meinem Terminkalender hat es mich weggeführt, hin zu Gottes Gnade. Ich atme aus. Meine Seele hat Ruhe gefunden. Amen.

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