Love is in the church

Love is in the church

Hinter dem Idealbild

Passend zur Kollekte, die Teile meiner Stelle finanziert, kann ich nicht leugnen, dass so als junge Frau, die mit dem Gedanken spielt Theologie zu studieren, man so einen Idealbild entwickelt. Das Hobby zum Beruf machen, bezahlt werden für das, was ich sowieso den ganzen Tag tue und wirklich liebe. Noch mehr Zeit mit den Menschen verbringen, die ich gern hab und mit denen ich sowieso schon irgendwie den ganzen Tag verbringe. Und versteht mich nicht falsch, das ist schon auch so. Ich liebe meinen Job schon auch sehr und all diese Dinge verwirklichen sich schon auch. Aber je länger ich in dem Job so drin bin, umso mehr merke ich auch, es gehört schon auch noch mehr dazu. Noch mehr Gutes, aber auch ein paar Schattenseiten. 

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von euch ganz ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben schon mal gemacht haben. Vielleicht gibt es etwas in deinem Leben, das du siehst und von dem du so ein Idealbild entwickelst. Das können völlig banale Dinge sein, ein Lebensmittel oder eine Beziehung, die du bei irgendjemandem wahrnimmst. oder ein Lebensstil, ein Lebenskonzept, wo du von außen siehst und denkst, boah, das muss irgendwie die Erfüllung sein. Das muss es, wenn ich das hätte. Weil ganz oft sind diese Idealbilder nämlich die Dinge, die wir selber in unserem Leben noch nicht oder nicht haben. Und woran liegt das? Das liegt daran, dass je mehr wir es in unserem Leben haben, je mehr wir auch hinter die Kulissen schauen können, wir bemerken, ganz so positiv und ganz so ideal ist es vielleicht doch nicht. 

Die Urgemeinde: Ein Herz und eine Seele

Und ein bisschen ist es so heute auch mit unserem Predigttext. Der vermutliche Autor der Apostelgeschichte ist Lukas, das weiß man heute nicht so ganz genau, aber man geht davon aus, und der zeichnet in unserem Predigttext heute ein Bild von Gemeinde, das richtig perfekt klingt. Harmonie und tiefes Vertrauen bis ins kleinste Detail. Und obwohl ich mich manchmal zu meiner Träumerei einer Theologen-Zukunft zurücksehne, bei der ich so hinter so einem richtig schweren Eichenschreibtisch sitze allein in meinem Kämmerlein und dabei so richtig smart und heilig wirke, so habe ich mir das vorgestellt, bevor ich studiert habe. Glaube ich heute, dass es uns gut tut und auch mir gut tut, ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen und die Realität einmal anzugucken. Starten wir in unseren Text. Apostelgeschichte 4, 32 bis 37. 

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele. Auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, Sondern es war Ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus. Und große Gnade war bei Ihnen allen. Es war auch keiner unter Ihnen, der Mangel hatte. Denn wer von Ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen. Und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde, das heißt übersetzt Sohn des Trostes, ein Levit aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. 

Gemeinschaft als Frucht des Heiligen Geistes

Wow! Unser Predigttext führt uns in die Zeit unmittelbar nach Pfingsten. Die junge Gemeinde in Jerusalem hatte gerade erlebt, wie der heilige Geist Menschen verändert, zusammenführt, ihnen Mut schenkte. Direkt vor diesem Abschnitt, in Vers 31 berichtet Lukas sogar, sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt. Die Gemeinschaft, die hier so beschrieben wird, die wir hier sehen, ist nicht das Ergebnis eines besonders gelungenen Organisationsmodells, sondern Frucht des Wirkens Gottes. Lukas zeichnet ein Idealbild einer christlichen Gemeinschaft. Manche Theologen haben später von einem christlichen Ur-Kommunismus gesprochen. Aber das trifft es nicht so ganz. Oder nur in Teilen. Denn die Christen, von denen hier gesprochen wird, die hatten weiterhin Häuser und Besitz. Niemand wurde gezwungen, alles abzugeben oder alles in einen Topf zu schmeißen. Viel mehr verkauften eben einzelne freiwillig Grundstücke oder Besitz, wenn Not entstanden war. Es ging also nicht um die Abschaffung von Eigentum, sondern um eine neue Haltung dazu. Die Formulierung „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“ greift alttestamentliche Sprache auf und beschreibt eine tiefe innere Einheit. Lukas möchte grob gesprochen zeigen, was möglich wird, wenn Menschen vom Geist Gottes geprägt werden. 

Und deswegen auch, wenn der Text vielleicht auf den ersten Blick etwas anderes hergibt, soll es heute Abend nicht darum gehen, wie organisieren wir uns hier als Gemeinde am besten in einer Gütergemeinschaft, sondern was macht denn christliche Gemeinschaft im Kern wirklich aus? 

Und wir haben in den letzten Wochen und Monaten über diese Frage tatsächlich schon ganz paar Mal nachgedacht. Immer wieder haben wir uns in Predigten auf biblische Prinzipien

konzentriert. Wir haben zum Beispiel vom Beten gehört, wir haben von der Verwalterschaft gehört, wir haben vom Leben mit dem Heiligen Geist gehört, wir haben eine Predigt dazu gehört, wie wir die richtigen Dinge an die erste Stelle in unserem Leben setzen oder wie wir einander im Glauben und im Leben stärken. Und ich möchte diese Reihe über diese biblischen Prinzipien, die unsere christliche Gemeinschaft prägen und weiterentwickeln und voranbringen, heute um ein paar Dinge ergänzen. 

Nächstenliebe beginnt bei Gottvertrauen

Beginnen wir also nochmal mit dem ersten Satz, den Lukas schreibt. „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“ Für mich auffällig an diesem allerersten Satz in diesem Abschnitt war, dass Lukas nicht mit dem Geld beginnt. Er beginnt nicht mit einer politischen Meinung, nicht mit der Hautfarbe oder dem Geschlecht oder irgendetwas anderem. Lukas beginnt diesen Abschnitt mit Christus. Er sagt die Menge der Gläubigen, also die Menge derer, die Jesus Christus anerkannten, die den Heiligen Geist empfangen hatten, die auf Gott vertrauten, und dann fährt er fort mit Herz und Seele. Luca stellt Jesus an den Anfang und dann spricht er von Herz und Seele. Wenn wir Menschen also vertrauen, wenn wir aufeinander hören, uns ernst nehmen, ehrlich miteinander sind, Autorität zu sprechen, wenn wir nicht nur Besitz teilen, sondern auch leben, unser Herz und unsere Seele, dann entsteht eine Gemeinschaft, wie Lukas sie hier beschreibt. Und das bedeutet, dass die materielle Großzügigkeit, von der hier auch gesprochen wird, nicht die Ursache der Gemeinschaft ist, sondern eine Folge dessen. Mit dem Begriff der Nächsten-Liebe können die meisten unter uns, denke ich, etwas anfangen. Es ist das höchste Gebot unter uns Christen und steht auch im Zentrum des heutigen Gottesdienstes. Mail ganz landeskirchlich gesprochen haben wir heute nämlich den ersten Sonntag nach Trinitatis. Und der richtet seinen Blick auf den nächsten mit folgendem Vers. 

Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe. Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe. 

Teilen, weil uns alles anvertraut ist

Dieser Vers steht über dem heutigen Sonntag. Es geht um Nächstenliebe. Ein Prinzip, ein Gebot, das uns geläufig ist und das Sinn macht. Wir sollen einander achten, schätzen, respektvoll behandeln. Und doch ist das wieder einmal nicht alles. Zunächstens, liebe gehört zumindest im Kontext unseres heutigen Predigtextes, nämlich noch einiges mehr. Es gehört auch dazu, dass wir miteinander teilen, was wir von Gott geschenkt bekommen. Es gehört auch dazu, dass wir einander vertrauen und uns unterordnen. Es gehört auch dazu, dass wir etwas loslassen, wenn es Gefahr läuft, sich ins Zentrum unseres Lebens zu schleichen und Jesus dort zu vertreiben. In Vers 32 heißt es, „Nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären.“ Und das bedeutet nicht, dass keiner mehr etwas besaß. Es bedeutet vielmehr, dass niemand mehr seinen Besitz als etwas betrachtete, das ausschließlich ihm selbst dienen sollte. Die ersten Christen hatten verstanden, alles, was wir haben, ist letztlich von Gott. 

Und wer vor ungefähr acht Wochen schon mal hier war, der hat meine Predigt gehört zum Thema Verwalterschaft und dem werden folgende Worte aus meinem Mund nicht ganz unbekannt vorkommen. Wir sind nicht Eigentümer, sondern Verwalter. Und gute Verwalterschaft will gelernt sein. Ich werde meine Predigt jetzt nicht komplett wiederholen. Wer das interessiert, wenn das interessiert zu guter Verwalterschaft, noch mal was zu hören, kann sich gerne über unsere Homepage meine Predigt noch mal anhören. Das Thema war anvertraut am 19.04. 

Barnabas: Vertrauen, das andere aufrichtet

Worum es aber geht, ist, dass die Christen damals dass wir auch heute dazu angehalten sind, unseren Besitz, das, was wir haben, als etwas wahrzunehmen, das nicht nur uns selbst dienen soll. Auch das gehört zur nächsten Liebe. Und ein weiteres Beispiel aus unserem Predigtext heute, das mich in Bezug auf das nächste Liebegebot sehr bewegt hat, ist der Barnabas. Er wird als Vorbild für die Gemeinde hervorgehoben, weil er seinen Acker verkauft , den Erlös der Gemeinde zur Verfügung stellt. Und ich habe mich beim Lesen so ein bisschen gefragt, hat mich schon irritiert, das Gleiche wird ja über die Gemeinde zuvor auch schon erzählt. Also warum wird Barnabas hier mit dem, was alle anderen auch tun, so hervorgehoben? Wenn man ein bisschen recherchiert, dann erfährt man, dass Barnabas noch in einer anderen Stelle in der Bibel auf die Bildfläche kommt. Nämlich, als nachdem Saulus der Christenverfolger seine Umkehr erlebt hat, Gott erlebt hat und zum Paulus wird. Und Paulus kommt in eine Gemeinde und will dort von Jesus erzählen, will dort ankommen und die Menschen misstrauen ihm. Die Menschen haben Angst, die Menschen glauben ihm nicht, dass er wirklich jetzt Jesus nachfolgt, sie haben Angst, dass er sie verrät, dass dass er sie tötet. Und an dieser Stelle kommt Barnabas. Und Barnabas ist der Erste, der sagt, wir können Paulus vertrauen. Der Erste, der sagt, ich glaube diesem Mann, ich glaube Paulus, dass er Jesus im Herzen hat, ich glaube, dass Paulus hier richtig ist. Barnabas hat einen unheimlich tiefen Glauben, ein unheimlich tiefes Vertrauen in die heilende Kraft Gottes, in sein wundersames Wirken, in seine unendlichen Möglichkeiten und nicht zuletzt auch in seine versorgende Art. Und dieses Vertrauen ist bemerkenswert und lohnt sich auch in unsere Bibelstelle noch einmal hervorzuheben. Denn Barnabas hatte verstanden, dass Großzügigkeit nicht beim Zücken des Geldbeutels beginnt, sondern beim Vertrauen auf Gott.

Hinter dem Prinzip der Nächstenliebe steckt in unserem Fall heute also mehr als nur der Nächste. Es geht vor allem auch um uns selbst. Darum, wofür wir in unserem Herzen und in unserer Seele Platz machen. Darum, was wir an erste Stelle setzen und worauf wir unser Vertrauen setzen. Nächstenliebe heißt für uns heute nicht nur den Nächsten zu lieben, sondern an allererster Stelle Gott mehr zu vertrauen als uns selbst. Und daraus aus diesem Vertrauen in Gott erwächst dann Vertrauen in die Menschen um uns herum.

Ehrlich werden, Vergebung wagen

Noch mal konkreter, Barnabas vertraute Gott und in Folge dessen vertraute er Paulus, der der Gemeinde dann viel gutes brachte. Ich persönlich vertraue Gott, dass er Menschen gut und wertvoll geschaffen hat. Ich vertraue, dass er in jedem von uns etwas ganz Besonderes sieht. Und das hat zur Folge, dass ich Menschen gegenüber aufgeschlossen sein kann, dass ich ihnen nicht misstrauisch begegnen muss. Das hat zum Beispiel auch zur Folge, dass wenn mein Mann mal wieder nicht so ist, wie ich ihn gerne hätte, dass ich wissen darf, dass er trotzdem gut gemacht ist. Und noch einmal mehr, dass ich wissen darf, ich muss mich nicht schämen, wenn ich am Ende feststelle, ich war doch das Problem. Nächstenliebe, in Liebe, in Gottes Liebe dem Nächsten entgegentreten. Das bedeutet Menschen ehrlich und vergebend zugleich entgegenzutreten.

Vergebung ist ein Riesenthema, das werde ich heute nicht aufmachen, aber ich glaube an mancher Stelle, dass vergebend Menschen entgegenzutreten leichter sein kann, als es ehrlich zu tun. Denn Vergebung hat oft was damit zu tun, dass mir unrecht getan wurde. Und das ist mir manchmal leichter fällt zu sagen, ich Ich vergebe dir, ich verzeihe dir, dass du was falsch gemacht hast, als es leicht ist zu sagen, ich habe was falsch gemacht. Ich glaube, mir fällt es schwerer, zu sagen, hey, es tut mir leid, ich habe hier Mist gebaut, als es mir manchmal fällt zu sagen, schon okay, dass du blöd warst.

Ehrlichkeit bedeutet auch, manchmal die eigene Schuld einzugehen, anzusprechen, um Vergebung zu bitten. Und ich glaube, dass Gemeinschaft nur so tief werden kann, wie die Menschen bereit sind, sich wirklich zu zeigen. Und ich glaube auch, dass Kirche deshalb schon seit vielen, vielen, vielen Jahrtausenden die Beichte gekannt hat. Nicht als religiöse Pflichtübung, sondern als Ausdruck von Vertrauen und Demut. Denn wo Menschen nichts vorspielen müssen, wo Schuld ausgesprochen werden darf und Vergebung erlebt wird. Dort entsteht diese Tiefe, diese Ideale, diese echte Gemeinschaft, von der Lukas schreibt.

Ich habe gesagt, materielle Großzügigkeit ist nicht die Ursache der Gemeinschaft, sondern ihre Folge. Ich glaube, dass die Ursache der Gemeinschaft, die Lukas beschreibt, Jesus Christus selbst ist. Er, „Er, der uns fähig macht, zu lieben. Er, der uns fähig macht, unsere Fehler einzugestehen. Er, der uns fähig macht, zu vergeben. Der uns fähig macht, zu teilen. Und am Ende auch fähig macht, Großzügigkeit zu leben und anzunehmen.“

Keine perfekte Gemeinde — aber veränderte Menschen

Die Urgemeinde, von der wir hier reden, war kein perfekter Verein. Schon wenige Verse nach dieser Geschichte lesen wir von Hananias und Safira. Sie verkauften auch Hab und Gut und brachten es in die Gemeinde, hielten aber einen Teil für sich zurück und erzählten es den anderen nicht. Und wir lesen von ihnen ziemlich dramatisch, dass sie beide auf der Stelle, als sie ertappt wurden, tot umfielen. Das schließt sich direkt an diese wunderschöne Herz- und Seele-Geschichte an. Auch die ersten Christen hatten Konflikte, Spannungen. Auch bei den ersten Christen gab es Versagen.

Deshalb dürfen wir diesen Text nicht als Beschreibung einer perfekten Vergangenheit verstehen, sondern viel mehr als eine Vision dessen, was passieren kann, wenn Gottes guter und heiliger Geist wirkt. Der heilige Geist löst Menschen aus der Enge des „Mein und dein“ heraus, eröffnet uns den Blick für die Bedürfnisse anderer, er schafft Vertrauen und den Mut in uns ehrlich zu sein. Ich glaube, der Heilige Geist schenkt uns die Freiheit zu teilen.

Das eigentliche Wunder der Geschichte ist also nicht, dass Menschen Geld geben oder ihren Besitz verkaufen, das eigentliche Wunder ist, dass Menschen durch Gottes Geist verändert werden und vor allem sich verändern lassen. Egal ob es die Urgemeinde ist, ein Barnabas, ein Lukas, ein Paulus oder wir heute, wo Gottes Geist wirkt und das glaube ich wirklich, können einzelne Geschwister werden, kann aus Fremden eine Gemeinschaft entstehen, kann aus Besitz Fürsorge werden und aus Theorie gelebte Liebe. Ich glaube, wenn wir diesen Text lesen, diesen Bibeltext, müssen wir uns nicht fragen, wie viele unserer Konten wir morgen direkt auflösen müssen.

Vom Hören ins Handeln

Ich glaube, vielmehr steht die Frage im Raum, was brauche ich, um Teil einer fruchtbringenden, stärkenden, lebendigen und gesunden Gemeinschaft zu werden? Was brauche ich, damit ich ein Teil von dieser fruchtbringenden, stärkenden, lebendigen und gesunden Gemeinschaft zu werden. Ich habe jetzt viel gesagt, dass ich irgendwie so ähnlich, schwummerlich anhören kann, wie der Song „Love is in the air“, an den sich unser Gottesdienst-Titel heute anlehnt. Ich habe ganz viele schöne Dinge gesagt, die sich in der Theorie ganz rosig anhören. Vertrauen, Freundschaft, Ehrlichkeit. Ich habe eine Bibelstelle gelesen, die ein absolutes Traumbild von Gemeinde zeichnet. Alle für einen und einer für alle. So eine Predigt über Nächstenliebe und Gemeinschaft kann schnell wie Friedefreude Eierkuchen klingen.

Und aufgrund der Tatsache, dass in meinem eigenen Leben kein Einziger dieser Aspekte so rosa-rot aussieht, wie wie Lukas ihn hier beschreibt, bin ich ziemlich sicher, dass es doch in der Realität schwerer ist, als hier gesagt. Und trotzdem glaube ich, dass das kein Grund sein darf, dass wir es nicht wenigstens versuchen. Denn ich glaube, dass dieses Idealbild nicht dabei beginnt, dass wir alles in Perfektion umsetzen, sondern dass wir einen ersten Schritt gehen. Dass wir es versuchen, dass wir anfangen. Und genau das wollen wir auch gleich im Anschluss an die Predigt tun.

Kasse, Kreuz und Taube

Ich habe hier vorne drei Gegenstände mitgebracht. Eine Kasse, ein Kreuz und eine Taube. Und jeder dieser Gegenstände steht heute mal symbolisch für eine Handlung, einen aktiven Schritt, den du gehen kannst, um aus dieser Theorie, die ich gerade erzählt habe, vielleicht Praxis in deinem Leben zu machen. Ich glaube, es gibt auch die Möglichkeit, dass du dich in mehreren Schritten wieder findest, Aber ich ermutige dich heute erst einmal mit einer Sache zu beginnen. Ich glaube, dass wir Zeit haben, in diesem Prozess zu wachsen und ich glaube, dass Jesus sich die Zeit mit uns nimmt.

Die Kasse. Die Kasse steht dafür, etwas abzugeben. Vielleicht gibt es in deinem Umfeld gerade eine Not, die du siehst, auf die du hingewiesen wurdest, wo du helfen kannst. Die Kasse steht aber auch dafür, etwas in Anspruch zu nehmen. Denn vielleicht sitzt du heute auch hier und merkst, dir mangelt es an etwas. Ganz konkret. Irgendwo, wo du gerade Hilfe brauchst und dich bisher nicht getraut hast, darum zu bitten oder sie anzunehmen. In beiden Fällen, ob du das Gefühl hast, dass es daran etwas zu geben oder das Gefühl hast, etwas anzunehmen, die Kasse steht dafür heute.

Weiter zum Kreuz. Das Kreuz steht für die Beichte. Vielleicht gibt es etwas, das du aussprechen solltest. Das heißt, es bei Gott abzugeben, es zuzugeben, dir selbst vielleicht erst einmal einzugestehen oder konkret bei jemandem für etwas um Vergebung zu bitten. Und das muss nicht immer etwas mit tiefer Schuld zu tun haben. Vielleicht gibt es auch einfach etwas, dass du dich bislang noch nicht getraut hast, auszusprechen. Zuzugeben. Vielleicht brauchst du einfach ein Gespräch, wo du jemanden sagst, „Hey, das liegt mir eigentlich seit Wochen auf dem Herzen und ich trage das ganze Zeit mit mir rum und ich krieg’s noch nicht so richtig raus.“ Dann ist das Kreuz heute deine Erinnerung mutig zu sein und etwas auszusprechen. Und gleichermaßen steht das Kreuz auch dafür, zu vergeben. Wenn du in deinem Leben jemanden hast, der dir gerade Unrecht getan hat, der vielleicht bei dir um Vergebung gebeten hat, dann darf das Kreuz heute eine Erinnerung daran sein, diese Vergebung auszusprechen, die Sache loszulassen, oder sie vielleicht in einem ersten Schritt auch erst einmal Gottes Gnade anzuvertrauen.

Und zu guter Letzt die Taube. Sie steht für das Gebet, um den Heiligen Geist, neues Vertrauen in Gott oder Jesus im Zentrum deines Lebens. Vielleicht fällt es dir gerade schwer, in einer Sache von deinen eigenen Sorgen, deinen eigenen Gedanken oder Lösungen loszulassen. Vielleicht brauchst du eine Veränderung, Mut, etwas Neues wagen oder eine neue Perspektive in irgendwas. Vielleicht gibt es aber auch in deinem Leben gerade etwas, das sich ins Zentrum rückt. In das Zentrum, wo eigentlich Jesus stehen sollte. Das passiert manchmal in unserem Leben ganz unbemerkt. Das kann unser Job sein, eine Beziehung sein, etwas Materielles. Materielles, egal was es ist, was sich gerade vielleicht in deinem Zentrum gestohlen hat, die Taube darf dich heute Morgen oder Abend daran erinnern, das loszulassen und Jesus wieder hineinzunehmen.

Der erste Schritt in echte Gemeinschaft

Kasse, Kreuz und Taube. Drei ganz praktische Möglichkeiten bei dir selbst anzufangen und Nächstenliebe von dir her zu denken. Drei Möglichkeiten, Teil einer fruchtbringenden, stärkenden, lebendigen und gesunden Gemeinschaft zu werden. Drei praktische Möglichkeiten, einen ersten Schritt zu machen.

Wir singen jetzt gemeinsam noch ein Lied und du hast während das Lied des Zeit darüber nachzudenken, in welchen der drei Dinge du dich am ehesten vielleicht gerade wieder findest, was bei dir Resonanz ausgelöst hat. Und danach wird es eine Zeit des Gebetes geben. Ich werde die einleiten und wir werden einfach eine Zeit der Stille haben, wo du Zeit hast, das vor Gott zu bringen. Denn mir ist wichtig, dass du heute nicht nur nach Hause gehst und denkst, ach, das waren wieder schöne Worte, sondern dass du nach Hause gehst und gemerkt, das ist, was ich tun kann. Das ist, was hinter dem Kulissen passiert. Das ist, was hinter einer Gemeinschaft aus Herz und Seele steckt. Lass uns gemeinsam singen und ich lade euch ein, auf Gott zu hören und zu hören, was Gott dir heute aufs Herz legt. [Musik]