Palmsonntag

Palmsonntag

Palmarum – Großgrabe, am 10.04.2022         

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

2. Timotheus 1,7

Liebe Gemeinde! Furcht kommt nicht vom Himmel. Meist kommt die Furcht aus der Zukunft. Sie kleidet sich in Angst, Befürchtungen, Kontrollzwang, Ordnungswahn. Die Furcht ruft: hoffentlich; wenn nur nicht, ach du meine Güte, um himmelswillen und verwendet Konjunktive: hätte, sollte, müsste. Die Furcht droht und ruft: Wenn du nicht … dann. Furcht macht krank. Furcht führt in die Vereinsamung. Die Furcht verhindert: offen reden, zuhören, loslassen, frei lassen. Das kommt nicht von Gott: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.“ Unser Schöpfer will Leben und Lebendigkeit. Er schenkt Kraft, Liebe und Besonnenheit. Alles Kräfte, die dem Leben dienlich sind. Zum Leben, dazu schenkt er uns Kräfte. Und du wirst sie brauchen. Die Wahrheit wiegt schwer. Wenn sie ins Licht gehoben wird, braucht es Kraft. Auch um des Friedens willen mal nicht Recht behalten wollen. Und, was meinst du, welche Art von Kraft es ist, wenn einer nicht nur mit den Ohren hört, sondern zuhört, mit dem Herzen. Und einem andern Güte schenken. Sich selber ganz annehmen, ohne wenn und aber. Andere nicht schulmeistern, sondern ein Stück mit ihnen gehen. Eine Frage der Kraft. Lernbereit sein. Achtungsvoll und achtsam ggü. dem Lebendigen. Sich an allem Schönen freuen. Die Kraft, in die Stille zu gehen und zu bleiben. Die Kraft zum Widerstand gegen alles Sinnlose, meine Seele Verschmutzendes. Die Kraft Hilfe anzunehmen. Anvertraute Geheimnisse wahren. Nicht über andere klatschen. Loyal zu seinen Freunden und auch den Unsympathischen zu sein. Die Kraft, nein zu sagen und sein Wort zu halten. Großzügig sein. Nähe zulassen und Grenzen setzen. Kleine Geschenke machen. Singen. Beten. Segensworte haben und verschenken ist eine Kraft. Auf Leid zugehen und die Tränen eines andern aushalten. Nicht zu viel von sich fordern. Einen Garten anlegen, im Herzen und draußen unterm Fenster. Gerecht, aber nicht zu gerecht zu sein. Und in allem hoffen: auf Gott, seine Gnade, seine Engel und sein Wort. Das ist Kraft, die dem Leben dient. Das habe ich mir bei meiner Mama abgeschaut. Sie hat mich und meine 10 Geschwister groß gezogen und alles für uns gegeben. Das ist hier gemeint: Die Kraft, alles zu geben um mehr als alles zu empfangen. Den Geist der Kraft. – Und der Liebe. Die Liebe bringt Licht. Zwischen uns. Und ins Herz. Im Licht der Liebe erkennen wir, was die richtigen und falschen Sorgen sind. Die falschen Sorgen kommen aus der Furcht. Weg damit! Die richtigen Sorgen haben immer eine Verbindung zur Liebe. Wir machen uns Sorgen um unsere Kinder. Das ist Liebe. Wir fühlen die Verantwortung. Wir sorgen füreinander. Auch das ist Liebe. Wir sorgen, für Freude, Offenheit und Wahrheit. Jeder darf sein, der er werden soll, der er ist. Darum sorgen wir uns, aus Liebe. Alles, was Liebe ist, darf bleiben, bestimmen, sorgen. Furcht, die kann ich alleine haben. Liebe geht nur zusammen. Die Liebe erfüllt uns. Sie führt uns in unsre Bestimmung als soziales Wesen. Die Liebe redet: Du – ich – wir. Liebe will nicht Recht behalten, sondern verstehen. Sie sucht Verständnis und Gemeinschaft. Liebe will das Leben. Gemeinsam. – Der Geist der Kraft. Und der Liebe. Und der Besonnenheit. Besonnenheit weist die Furcht in die Schranken, die dich entmutigen will. Die Besonnenheit spricht: halt den Ball flach. Gott ist da. Es geht nicht um Kontrolle und schnelle Lösungen, sondern um Vertrauen. Vertrauen ist die noch unsichtbare Geheimtür in der unüberwindlichen Mauer. Vertraue. Vertraue dich einem Menschen an. Vertraue dich Gott an. Beides. Bete und bitte Gott um Hilfe. Bitte einen, für dich zu beten. Du musst nicht durchs Leben rennen. Nicht viel in möglichst kurzer Zeit. Sondern viel erfüllte Zeit. Sei besonnen und lass dich beschenken. Empfange. Schau auf die Berge und Wellen, lausche Wind und Regen, betrachte die Sterne und die Unendlichkeit des Alls. Alles sind Geschenke, Zeichen des Himmels. Für dich ist alles. Gott will, dass du dich freust. Suche, und du wirst finden – deine Bestimmung, die der Ewige für dich hat. Bitte ihn um ein treues und tapferes Herz – du wirst verwandelt und es erhalten. Klopfe mit der Kraft deiner Zweifel und Fragen an die Tür des Glaubens. Dir wird geöffnet und du vernimmst. „Tritt ein, Menschenkind, du bist willkommen.“ Sei besonnen genug, dir selbst und deinen Lieben und Gott zu vertrauen. Denn es ist die tiefe, geheimnisvolle und ewige Wahrheit für dein Herz und deinen Weg und unsere Gemeinschaft: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Amen.

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