Singt und spielt! (Großgrabe)

Singt und spielt! (Großgrabe)

Eph 5, 19                                                                      Jubilate – Orgelweihe Großgrabe – 12. Mai 2019

„Singt und spielt.“

Liebe Großgrabner Kirchgemeinde! „Ehret die Alten.“ So erinnert uns Gottes Wort. Da ich, eure alte Orgel,  hier wohl der Älteste bin, wird mir von euch die Ehre zuteil, ein Wort an euch zu richten. Genauer, bin ich wohl dieÄlteste, denn „Orgel“ ist ja weiblich. Mancherorts nennt man die Orgel „Königin der Instrumente“. Das ist bei mir wohl etwas dick aufgetragen. Und da ihr heute „Muttertag“ feiert, sagen wir etwas bescheidener: Die Orgel ist die „Mutter der Instrumente“. Also nicht hochtrabend adlig, sondern familiär. Das entspricht auch meinem Wesen. Meine Klänge sollen nicht adlig „von und zu“ über euch schweben, sondern euch beim Singen begleiten. Begleiten – bei diesem Wort erzähl ich aus meiner Lebensgeschichte, besser von meinem Dienst für euch: Welche Glücksmomente das waren, wenn eine junge Braut vorm Altar stand und es erklang „Großer Gott, wir loben dich“. Wie schwer, wenn eure Vorfahren in Schwarz schwermütig still Platz nahmen und es erklang das „Ave Maria“. Am Ostermorgen „Christ ist erstanden“ und zu Heilig Abend „Stille Nacht“. Da war man beieinander. Ab und an kam Wochentags ein einsamer Kantor, und klagte mir in der Stille sein Leid in Bach und Händel. So sang ich ihm meinen Trost. Euch begleiten, euch begeliten, ja, das ist wohl meine Bestimmung. In Freud und Leid den richtigen Ton finden. In den letzten Jahrzehnten war es für mich, na wie sag ichs, mühevoll. Ich bin eben in die Jahrzehnte gekommen. Der Principal 8 Fuß war heiser, das Pedal klapperte wie alte Knochen und die Pfeifen klangen wie Raucherhusten und Bronchialasthma.  Einmal stand sogar die Frage: Weg mit ihr? Es wurde entschieden: Gnadenbrot. Naja. Und damit geht mein Dank an euch, ihr Heutigen. Mit viel Mühe, Liebe und Geld habt ihr mir neues Leben eingehaucht. Wie aufwändig und kompliziert das war – doch, das sag ich in ein paar Sätzen. Es musste ein echter Spezialist ran. Ich bestehe ja nicht nur aus dem, was man sieht: Das wäre der Spielschrank, wo der Kantor sitzt mit den Tasten und beiden Manualen. Da sieht man auch die 17 Stimmen, also Klangfarben, die Register heißen. Die zwei Manuale haben je 54 Tasten, das Pedal für die Füße 27. Vorn sieht man über 50 Prospektpfeifen, aber ich habe insgesamt 1029. Mancher ist eben mehr, als er scheint. Meine Haupthölzer sind Kiefer, und damit Fettlebe für die Holzwürmer. Die Mechanik, die feinen, feinsten Gestänge, sind aus Eiche und Ahorn. Die Windladen sind die Herzstücke. Darauf stehen die Ventile aus einer Blei-Zinn-Legierung. Wird der Blasebalg angeworfen, entsteht in meinem Inneren ein Druck wie in einer menschlichen Lunge. Der Balg holt Luft und ich atme aus, wenn eine oder mehrere Tasten gedrückt werden. Sitzt ein Ochse auf der Orgelbank, werden die Hörer gequält. Verdient oder ohn all Verdienst lasse ich offen. Weil es nun eine Kirche ist, müssen sie auch dafür fromm „Danke“ sagen. Nimmt aber ein Meister seines Faches Platz, finden die unruhigen Seelen zu Frieden und Ruhe. Das bringt mich zu euch. Schaut, mich hat ein Meister geschaffen. Und damit meine Bestimmung. Keiner, nicht einer, würde ernsthaft erwägen, mich hätte die Evolution entstehen lassen. Ihr, liebe Menschenkinder, seid 10×10 Millionen mal komplizierter aufgebaut. Und einige, die ihren Meister nicht ehren wollen, sondern nur sich, behaupten diesen Unsinn: Der Mensch ist zufällig entstanden. Bei mir wäre so eine dumme Rede ein Schlag in meinen Balg und ein Tritt auf die Füße des Orgelbauers. Bei euch ist diese Dreistigkeit ein Schlag ins Gesicht des Schöpfers. Den Meister und Schöpfer mit Dank ehren und seine Bestimmung erfüllen steht uns besser an. Wie ich, seid auch ihr kunstvoll erschaffene Wesen. Wie ich, so auch ihr,  mit wunderbarer Ordnung und einem klaren Plan. Meine kenne ich, aber, was ist eure Bestimmung? Kannst du das sagen? Ich erzähle dir etwas dazu aus meinem Blickwinkel: Dein Meister hat dich einmalig, mit vielen Klangfarben und Registern – manchmal muss man alle ziehen – geschaffen. Wie ich, musst du mit Atem gefüllt sein. Nicht mit Rauch oder Ruß, sondern mit Gottes Geist. Ist Aus- und Einatmen bei dir, unter euch, in der Balance? Wer sitzt bei dir vor den Manualen, den Tasten deines Lebens? Ein Ochse oder der Meister? Jesus Christus ist der Meister des Lebens. Wenn er spielt, dann ist Musike drin, sprich Leben. Mit ihm, nur mit ihm, hat deine Lebensspur Ewigkeit. Sonst sind alle deine Lieder nur für die Zeit, sprich für die Katz. Der Mensch, auch du, ohne Jesus, ohne dieses wunderbare Ziel „Himmel“, verfehlt seine Bestimmung vollkommen. Er ist für das Licht bestimmt, muss aber in die die Finsternis. Und damit wird deine Bestimmung erkennbarer. Du bist durch Jesus gerettet. Hast du auch einen Rettersinn. Bestehen deine Lieder nur „Danke Gott, dass ich …“? Oder kann dein Meister durch dich das Lied des Lebens spielen. Durch Wort und Tat, Leben und Liebe, Arbeit und Stille, Gebet und Trost sollst du ein Bote des Himmels sein. Die Musik der Liebe Gottes ertönen. Dann haben deine Tage, dein Leben, vor Gott im Himmel Bedeutung und Glanz. Ich will tun, was vor Gott Bedeutung hat – sei der Entschluss deines Herzens. Meinst du es ernst, bekehre dich zu Jesus, deinen Meister. Lass ihn Platz nehmen am Spieltisch deines Lebens. Dann bitte um den Atem des Lebens, dass in deiner Seele göttliche Musik erklingt. Die Liebe, Gottes Wort und Wille, das erste und letzte Wort hat. Ein Gebet unserer Altvorderen lautete: „Komm, heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.“ Du bist Gottes Instrument. Jesus Christus der Komponist und Organist. Gottes Geist das Geheimnis göttlichen Wirkens. So stehts in unserm Predigtwort:„Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in euren Herzen.“ Damit, liebe Gäste und Großgrabner, sag ich mein Schlusswort. Und wenn ihr mir zustimmt, dann wiederholt es laut und fröhlich: Amen. (Gemeinde: Amen.)

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