Einordnung der Gemeindeumfrage
Also, die haben uns schon kurz hineingenommen in die Geschichte, dass wir uns diese Gemeindeumfrage schon mal ausführlich angeschaut haben, die Auswertung davon.
Und insgesamt – wir beginnen heute mal damit – haben 58 Gemeindeglieder an dieser Umfrage mit den vielen, vielen Fragen teilgenommen. Das ist, finde ich, schon ein ganz interessanter Querschnitt. Das sind nicht wenige.
Und das Gute vorweg: In vielen Punkten sind wir eigentlich keine schlechte Gemeinde. Aber wie das immer so ist, es gibt auch ein paar Punkte, da sind wir nicht ganz so gut. Und davon schauen wir uns heute mal einen Punkt an.
Der Rick wird wahrscheinlich hinter mir die erste Folie dran schmeißen. Es geht um unsere Gebetspraxis. Und da gab es die Frage: „Meine Kirchgemeinde hilft mir, eine Gebetspraxis einzuüben.“ Und 47,9 % der 58, die mit abgestimmt haben, stimmten eher nicht zu. Das ist schon mal ein Punkt.
Ich habe hier noch mal die genaue Auswertung. Das sind also in Summe – jetzt muss ich das hier, oder ich dreh mich doch gleich rum –:
Wir haben 12,5 %, die das ganz super finden.
33,33 %, die sagen: Na ja, trifft ungefähr zu.
47,92 %, die sagen: Nee, finde ich nicht, dass die Gemeinde mir beim Gebet hilft.
Und 6,2 % sagen sogar: Es trifft überhaupt nicht zu.
Also: Gemeinde und Gebet – das passt nicht zusammen oder irgendwie Fragezeichen.
Und dann kommt noch dazu die zweite Frage: „Wie häufig beten Sie?“ Und die sieht dagegen wieder gar nicht so schlecht aus.
Mehrmals am Tag: über 40 %.
Einmal täglich: 20 %.
Ein paar Mal pro Jahr ist der Schluss.
Weniger und nie gibt es gar nicht.
Also hier fallen wir nicht aus dem Rahmen, aber die Gemeinde scheint in ihrer Ausrichtung, von ihrer Prägung her, nicht unbedingt – sozusagen ist die Aussage der Umfrage – dafür zu sorgen, dass die Gemeindeglieder im Gebet geschult oder angeleitet werden.
Einstieg in das Thema Gebet
Die Predigt für heute hatte ich bereits voriges Wochenende fertig geschrieben, und da habe ich mir gedacht: Dann passt das.
Gott weiß mehr als wir und kann mehr vorbereiten, als wir das denken. Und prompt starten wir diesen Sonntag mit der Aufarbeitung dieser einen Frage – ohne dass wir das wollten, ohne dass wir das vorbereitet haben.
Vom Beten, ich sag mal, Teil 1. Wir wissen noch nicht, wie viele Teile noch folgen werden, wie weit wir das noch austreiben, ausbauen werden. Wir haben das noch nicht im Detail diskutiert, aber wir fangen an.
Und als Allererstes frage ich mal unseren Herrn Jesus: Was sagt er denn zum Gebet?
Der Predigttext: Matthäus 6,7–13
Ich lese uns jetzt aus Matthäus die Verse 7 bis 13:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht so viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen; denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Soweit.
Wenn ihr den heutigen Predigttext nun gehört habt, dann werdet ihr natürlich gleich denken: „Oh ja, das kennen wir doch, das beten wir doch zu fast jedem Gottesdienst – das Vaterunser.“ Ja, richtig.
Aber genau deshalb wollen wir uns diese Textpassage noch einmal ganz genau anschauen. Zeile für Zeile. Und ich bin sicher, wir werden manches neu entdecken oder vertiefen.
Gebet im Kontext der Bergpredigt
Zuerst einmal gehört diese ganze Passage vom Beten mitten hinein in die Bergpredigt – der wohl berühmtesten Predigt von Jesus.
Und da geht es Schlag auf Schlag von einem Kernthema zum nächsten:
Vom Töten, vom Ehebrechen, vom Vergelten, von der Feindesliebe, vom Almosengeben und nachher vom Fasten, vom Schätzesammeln, vom Sorgen, vom Richtgeist und interessanterweise dann noch einmal von der Gebetserhörung.
Letzteres würde ich euch bitten, als Hausaufgabe die kommende Woche zu Hause oder im Hauskreis zu lesen.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass Jesus das Thema Gebet mitten hineinpackt in diese Bergpredigt zwischen all die anderen Themen.
Gebet gehört mitten in unser Leben.
Gebet sollte unser Begleiter sein durchs Leben – jeden Tag.
Was ist Gebet?
Aber ganz simpel zuerst: Was ist denn überhaupt Gebet?
Ich habe mal die Deutsche Bibelgesellschaft befragt. Die definiert das Wort Gebet ganz schlicht:
Reden des Menschen mit Gott.
Und weil das wahrscheinlich dann doch ein bisschen zu kurz war, gab es noch einen Nachsatz dazu:
Das Gebet ist die in Worte gefasste Antwort des Menschen auf Gottes Zuwendung.
Noch mal:
Das Gebet ist die in Worte gefasste Antwort des Menschen auf Gottes Zuwendung.
Ich finde diese Erklärung große Klasse, weil sie zeigt:
Gebet ist offensichtlich keine einseitige Sache. Das Ganze beginnt mit Gottes Zuwendung.
Der Ursprung des Gebets: Gottes Wille
Gottes Wille für uns Menschen beginnt bei Gott. Gebet startet im Herzen Gottes.
Im Kleinen heißt es: Gott weiß, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten (Vers 8).
Und im Großen: Dein Reich komme, dein Wille geschehe (Vers 10).
Darauf soll sich unser Gebet gründen: auf den Willen Gottes.
Ich habe lange über Vers 7 nachgedacht: Wir sollen nicht so viel plappern wie die Heiden.
Ein Heide weiß erstmal nichts von Gott. Und um etwas zu bekommen, macht er viele Worte, sucht Argumente, versucht selbst etwas zu erreichen.
So sollen wir nicht beten.
Wir kennen Gottes Willen – durch die Bibel, durch Jesus selbst. Die Heilige Schrift ist voll von Aussagen über den Willen Gottes.
Im Herzen Gottes startet das Gebet und geht durch uns zu Gott zurück.
Der Kreislauf des Gebets.
Merksatz 1:
Bete in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes.
Lobpreis und Anbetung
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Das erinnert an Lobpreis und Anbetung. Es kann zu Beginn des Gebets überhaupt nicht schaden, sich zu vergegenwärtigen, mit wem wir reden:
Mit dem Weltenherrscher,
mit dem Schöpfer aller Dinge,
mit unserem liebenden Vater.
Das Vaterunser endet ebenfalls mit Lobpreis.
Merksatz 2:
Beginne und beende dein Gebet mit Lob, Dank und Anbetung.
Tägliche Versorgung
Unser täglich Brot gib uns heute.
Für uns oft kein Problem. Aber weltweit sterben täglich etwa 24.000 Menschen an Hunger und Unterernährung.
Nichts ist selbstverständlich.
Merksatz 3:
Bitte und danke auch für die tägliche Versorgung.
Schutz vor Versuchung
Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Die Versuchung ist real – überall.
Merksatz 4:
Bitte um Schutz vor Versuchung und Erlösung von dem Bösen.
Vergebung
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Diese beiden Halbsätze gehören untrennbar zusammen.
Vergebung empfangen heißt: Vergebung weitergeben.
Merksatz 5:
Vergib deinen Schuldigern.
Schlussgedanken zum Gebet
So, nun sind wir durch das Vaterunser gegangen und haben jeden Vers betrachtet.
Es geht um unser persönliches Gebetsleben.
Auch wenn das Vaterunser oft im Gottesdienst gebetet wird – im Zusammenhang der Bergpredigt ist es als Gebet des Einzelnen gedacht.
Es geht nicht um starre Form, sondern um das „Wie“ des Betens:
sich auf Gottes Willen stellen.
Und natürlich können und sollen wir konkret für Dinge, Personen und Situationen beten.
Ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde hier wachsen – im Gebet füreinander.
Gott möchte, dass wir mit Lob und Dank, aber auch mit unseren Nöten vor ihn treten – im Kleinen wie im Großen.
Amen.