Freundschaft mit Gott

Freundschaft mit Gott

Jes 54,10                 Trinitatis – Heilige Taufe von Klara Lederer  Großgrabe, am 27.05.2018

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“

 

Liebe Gemeinde, liebe Familie Lederer! Durch euer Töchterchen Klara hat sich die Welt verändert, eure Welt. Viel Liebe hat sie mitgebracht, Freudentränen, Glücklichsein und Staunen. Was so ein Menschenkind alles vermag. Ihr wisst das Leben zu schätzen, aber sie ist euer größter Schatz. Klara hat eure Liebe entzündet. Auch bei euern Eltern, die wieder Großvater, Großmutter geworden sind, voller Staunen und Dankbarkeit. Sie halten ihr Enkelkind in den Armen und wissen, was ein Wunder ist. Ihr alle, auch die Freunde und Paten, ja unsere Gemeinde, wir sind Beschenkte. Danke, Klara, du kleines, großes Wunder! Wir haben viele gute Wünsche für dich: Gesundheit und Glück sollen links und rechts von dir wandern. Wurzeln sollst du in Familie und Heimat, Geborgenheit und Zuhause. Flügel sollen dir wachsen, dass du zu deiner Zeit ins Leben stürmst, voller Mut und Träume. Deine Bestimmung, woher, wohin und warum mit deiner Seele erfassen und erfüllen. Sollst ein Mensch bleiben, der Licht, Segen und Frieden in die Welt bringt … Neben unserer Liebe ist auch Sorge, eine gutes Sorgen. Alle Sorgen, die aus der Liebe kommen, sind lebendig, gut. Sie sind da, weil unsere Wünsche nicht einfach so in Erfüllung gehen. Wir tun, was in unserer Kraft und Verantwortung steht, aber wir verfügen nicht über Glück, Gesundheit, Wachsen und Bewahrtsein. Das muss irgendwie dazukommen, geschehen, geschenkt werden. Wir nennen es „Segen“, Geschenk, Zuspruch des Himmels. Deshalb habt ihr eure Tochter heute taufen lassen, dass sie das Siegel der Gnade bekommt. Damit ist die ausdrückliche Bitte an Gott verbunden: Pass gut mit auf. Klara ist nicht unser Eigentum, sondern nur für eine Zeit an unser Herz, in unsre Hände gelegt. Wir und auch sie gehört dir. Und so haben wir sie in die Gnade Gottes hineingetauft. Dazu ein Wort der Heiligen Schrift mitgegeben, ihren Taufspruch: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ Wir leben hier nicht in einer Erdbebenregion. Berge verschwinden nicht so einfach, Hügel sind nicht plötzlich weg. Denken wir länger drüber nach, werden wir schwankend. Im Laufe der Erdgeschichte sind ja viele Berge und Hügel verschwunden, Landschaften haben sich grundlegenden geändert. Mit der Zeit verändern sich die Lebensumstände. Jeder durchwandert seine Reifungs-, Lebensphasen. Da beschreibt dieses Wort doch eine Realität. Was uns unerschütterlich schien, ist eines Tages nicht mehr. Im Rückblick sehen wir dann: Berge weichen meint – Loslassen. Die Kindheit, Jugend, Freunde, Großeltern, Eltern … die Zeit liegt nicht in unsrer Hand. Wer tapfer genug ist, eben dies, seine eigne Vergänglichkeit anzuerkennen, auszuhalten, der fühlt auch weiterhin die Sehnsucht nach Leben. Ja, er ahnt etwas von der tiefen Wahrheit des Wortes aus dem Buch Prediger, Kapitel 3: „Alles hat seine Zeit.“ Und in jedes Menschenherz hat Gott die Sehnsucht der Ewigkeit gelegt. In allem Loslassen begleitet sie uns, diese Sehnsucht. Wir haben eine Ahnung vom Himmel. Davon ist hier die Rede in Form eines Versprechens: „…aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ Hier steht zuerst die Frage nach dem Vertrauen: Es hört sich tröstlich an. Aber wird Gott sein Wort halten? In der Kirche sagen wir manchmal zu schnell: JA! Und im Alltag reihen sich dann die Fragezeichen zu einer Warteschlange in unsrem Herzen. Wir könnten dieses Wort oberflächlich verstehen: Na ja, das meint sicher: „Alles wird gut.“ Das ist nicht falsch, aber auch nicht richtig. Und so nicht zutreffend. Es ist ein Allgemeinplatz, ohne Bedeutung, fast eine Vertröstung. Wir wünschen Klara doch, dass ihr Leben, und auch dieses Wort an Bedeutung, an Tiefe, Tragkraft gewinnt. Was bedeutet das, Gnade bei Gott und Bund des Friedens? Das wird Klara als Lebensaufgabe, als Glaubensaufgabe gestellt. Es ist die Frage, die Klara erst allein finden und dann auch, immer wieder neu, allein beantworten muss: Wem vertraue ich? Wem vertraue ich mich an? Wer ist Gott? Ist er vertrauenswürdig? Kann ich auf dieses Versprechen meine Glaubensexistenz bauen? Für Klara gilt es zu lernen: 1. sich selber zu vertrauen, 2. einigen Menschen und 3. „dem da oben“. Auch ein Name für Gott: „der da oben“. Dieser Name beschreibt eine Distanz. Distanz ist gut. sie lässt jeden das sein, was er ist. Aber wir sind soziale Wesen. Brauchen neben Distanz, auch Beziehung und Innigkeit. Wir wissen auch, dass es schon nicht einfach ist, zu einem andern eine tiefe Beziehung aufzubauen und zu erhalten. Nicht immer haben wir den Mut. Wir müssen lernen, dass sich Glück und Erfüllung dort vollzieht, wo ein wachsendes Einverständnis blüht und reift. Wie soll das dann erst mit dem Fernen, Unbegreiflichen, „dem da oben“ gehen? Ist Glauben an Gott „wachsendes Einverständnis“? Mit war es, als hätte Gott gesagt: Ich begehre deine Freundschaft. Ich antwortete: Ich bin vor dir ein Bettler, du ein großer König. Wie soll das werden, eine Freundschaft zwischen einem Sterblichen und dem Ewigen, einem Bettler und einem König? Da war mir, als hörte ich: Der Bettler kann nicht bestimmen, dass er der Freund des Königs wird. Aber der König kann sich entscheiden, Freund des Bettlers zu sein. Und ihn reich machen. – Das meint es wohl, das Wort „Gnade“ und „Bund des Friedens“: Freundschaft mit Gott. „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ Amen.

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